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Der Traunsee und das Schloss im See

Also eins ist klar: man muss als Schlösschen schon einiges zu bieten haben, um als Schauplatz einer  ZDF-Fernsehserie zu dienen! Allem voran eine traumhafte Kulisse. Immer wenn ich (wieder mal – ich muss gestehen, ich war gefühlte hundert Mal an diesem Ort) vor dem sagenumwobenen Schloss Orth stehe, habe ich das Gefühl, der liebe Gott hätte (umringt von Engeln, die ihn mit Kaiserschmarrn, Topfenknödeln und Heurigem versorgen) mit einem eigens dafür angefertigten Pinsel (über den sich später Bernardo Bellotti noch freuen sollte) diese imposante, hoch romantische Kulisse auf die Weltkugel gezeichnet. Woher kommt diese Liebe? Also erstens verbindet mich familiär etwas mit diesem Erdflecken: die Familie meines Vaters lebt(e) in der Gegend, meine Urgroßeltern haben auf dem Schloss geheiratet, meine Eltern haben sich dort kennengelernt. Okay, das würde andere wahrscheinlich nicht gleich dazu bewegen, ihre Liebe zu den Geburtsorten ihrer Vorfahren in blumigsten Worten ins Netz zu posaunen. Bei mir ist das anders, ich bin dort irgendwie Zuhause! Schon als Kind habe ich wunderschöne Urlaube dort verbracht und mir sind heute noch die Worte meines Großonkels Franz in Erinnerung, der mir jedes Jahr zur Sommerzeit vom Riesen Erla erzählte, der der Sage nach das Schloss für seine große Liebe „Nixe Blondchen“ errichtet hat. Erla habe das felsige Fundament vom Traunstein geworfen und darauf das Schloss mit Hilfe von Zwergen (bei einer anderen Erzählung war es eine Hexe) erbaut. Erla -inzwischen von der Hexe in einen Prinzen verwandelt-  und Blondchen erlebten in dem Schloss einen Sommer voller Liebe. Doch die Nixe starb, denn (wie jeder weiß!) eine Nixe an Land lebt nur einen Sommer. Voll Trauer wurde Erla wieder ein Riese und zog sich in die Berge zurück. Direkt neben dem Traunstein meißelte er das Antlitz seiner Liebsten in den Stein, den Erlakogel, heute auch „schlafende Griechin“ genannt.

Ich bin gerade im Sehnsuchtsmodus! Wir waren zwar Ostern eine Woche am Traunsee, aber das Wetter hatte in der Woche von Regen über Hagel und Schnee alles zu bieten, was es auf der Schittwetterskala so gibt; die Einheimischen nennen es „Schnürlregen“. Außer zu Hundegassigängen konnten wir uns in diesen Tagen zu keiner Wanderung aufraffen, denn es war sowieso alles wolkenverhangen und man hätte sich dann wahrscheinlich die Erkältung seines Lebens geholt. Es war so schäbig, dass unsere Vermieterin uns eine zusätzliche Übernachtung schenkte, weil sie Mitleid mit uns hatte. An diesem geschenkten Tag waren wir dann allerdings in Salzburg. Das einzige Foto, was ich aus dem Urlaub vom Schloss mit nach Hause brachte, war dieses:

Und weil ich nun gerade wirklich Schloss Orthweh habe und der Traunsee nicht schlecht wird, egal wie alt er ist, zelebriere ich meine Liebe zu ihm mit einer Menge Archivbildern, die ihn zeigen, wie er einmal im Herbst eines Vorjahres war. Und an diesen schönen Erinnerungen wärme ich mein Herz, wenn die Sehnsucht wieder mal zu groß wird. So etwas mache ich gerne und oft und: es funktioniert!

Ein Panorama, das jeder wieder erkennt, wenn er auf der Gmundner Promenade auf den See blickt: es reihen sich der Grünberg, die Westflanke des Traunsteins und die „schlafende Griechin“ aneinander. Im Vordergrund „Gisela“ der älteste kohlenbefeuerte Dampfer der Welt. Der altehrwürdige Raddampfer erinnert an Zeiten, als Kaiser Franz Josef hier höchstpersönlich jeden Sommer damit über den See tuckerte.

Gmunden war die Stadt, von der aus der einst blühende Salzhandel verwaltet wurde. Das Stadtbild zeugt noch heute davon. Besonders reizvoll ist der Rathausplatz, an dem auch die Schiffe anlegen. Das Rathaus mit seiner wunderschönen barocken Fassade hat als Besonderheit ein Keramikglockenspiel (Gmundner Keramik) das alle zwei Stunden leicht verstimmt 😉 , aber sinnlich erklingt.
Vor den vielen Holzstegen schaukeln nicht nur Tretboote und Segelschiffe, sondern auch Schwäne sanft auf den Wellen. Wahrscheinlich ist es auch für sie der einzige „Lacus Felix“, wie schon die Römer den Traunsee tauften.




Geht man nun die Seepromenade entlang, wird wohl keiner der Versuchung widerstehen können, das Wasserschloss Orth mit seinem gotischen Torturm und dem barocken Zwiebeldach zu besuchen. Vorbei am Landschloss Orth betritt man über ein lange Brücke den nostalgischen, dreieckigen Innenhof des Seeschlösschens. Hier könnte man auch den Hungerturm und die Kerkerzellen, die mit Totenköpfen und allerhand gruseligen Werkzeugen bestückt sind und damit auf ihre grausamen Vorbesitzer verweisen, besuchen. Bilder dazu gibt es hier nicht, denn je älter ich werde, desto weicheiiger werde ich auch. Leider lässt sich meine zunehmende Schreckhaftigkeit mittlerweile nicht mehr verbergen; das früher zeitweise aufflammende Interesse an Horrorfilmen nimmt deutlich ab und selbst bei blutigen Szenen im „Tanz der Vampire“- Musical halte ich mir die Hände vors Gesicht. Da mich schon der Anblick einer Spritze beim Arzt hyperventilieren lässt, werde ich euch vom Folterwerkzeug vergangener Jahrhunderte hier keine Fotos liefern; da müsst ihr euch schon selber auf den Weg machen…..


Innenhof mit seinen Arkaden und einem eilenden Oberkellner

Blick von der Brücke auf die privaten Badeplätze (oben) und auf die Stadt Gmunden (unten)

Apropos baden: obwohl ich eigentlich mit Kiemen hätte auf die Welt kommen müssen und ich in jedes kühle Nass springe, was sich gerade anbietet, gehe ich sehr ungern im Traunsee schwimmen. Durch seine enorme Tiefe von knapp 200m erwärmt er sich auch im Hochsommer selten. Nun finde ich das nicht mal besonders tragisch; die zahlreichen Schlingpflanzen allerdings, die sich beim Schwimmen um Arme und Beine schlängeln, halten mich jedoch davon ab! Je nachdem, welche Lichtstimmung und welche Tageszeit gerade vorherrscht, kann der See auch schonmal etwas unheimlich anmuten.

Wenn wir vom Schloss kommen, gehen wir grundsätzlich noch, unweit des Landschlosses, durch den nahe gelegenen Toscanapark; eine großzügige Parkanlage mit der Villa Toscana und schönem alten Baumbestand. Hier trifft man viele Einheimische, die sich vom Alltagsstress entkoppeln.




Blick über den Steg auf  Traunstein und Erlakogel

Abendstimmung auf dem See mit Blick auf das Höllengebirge

Ich wäre nicht ich, wenn ich nicht abschließend noch darauf hinweisen würde, dass man in Österreich wunderbare Kaffee – und Mehlspeisen verzehren kann. Ja, ich weiß, einige fangen wahrscheinlich gleich an zu sabbern, aber fest steht nun mal, dass die Österreicher Meister in der Zubereitung allerhand sündhafter kalorienbombiger Speisen sind. Selbst beim Aldi (der sich in Österreich Hofer nennt) bekommst du manchmal besseren Kuchen als in den guten Confiserien Deutschlands.

Entlang des Traunsees gibt es noch weitere kleine malerische Orte, über die ich sicher auch noch einmal berichten werde. Für heute ist mein Heimweh allerdings gestillt und ich wünsche euch eine wunderschöne Ferienzeit – wo auch immer ihr gerade seid!

 

Herzlichst
eure Christiane

 

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