Augenblicke Emotionen Meine Heimat Natur-lichkeiten

Im Nebel ruhet noch die Welt

….. noch träumen Wald und Wiesen;
bald siehst du, wenn der Schleier fällt,
den blauen Himmel unverstellt,
herbstkräftig die gedämpfte Welt
in warmem Golde fließen.

Septembermorgen

 

Eines meiner Lieblingsgedichte von Eduard Mörike. Wenn man sich, wie ich, eine lange Zeit mit der Gattung „Kunstlied“ beschäftigt hat, verbindet man mit vielen seiner Gedichte zugleich noch wunderschöne Melodien. Die passenden Bilder zu diesen Zeilen waren schon immer in meinem Kopf und vor ein paar Tagen hatte ich Gelegenheit, sie auf den Sensor meiner Kamera zu bannen. Auch, wenn es nicht der September – sondern einer der letzten Augustmorgen war, er mutete schon recht herbstlich an.

Die Tage der letzten Woche waren noch schön warm, die Nächte klar, kühl und windstill. Das ist meistens ein Garant für Nebel am frühen Morgen, besonders in Gewässernähe. Eigentlich hatte ich gar nicht vor, zu fotografieren; als ich um 5.30 Uhr aufwachte und aus dem Fenster blickte, hielt mich allerdings nichts mehr in den Federn. Mir war schon klar, dass es eigentlich viel zu spät war, für das, was ich gerne abgelichtet hätte. Schließlich hatte ich nichts vorbereitet, musste schlaftrunken noch meine Ausrüstung zusammensuchen und eine knappe halbe Stunde mit dem Auto bis zum Wunsch-Shooting-Ort zurücklegen. Für diese Bilder wollte ich an die Weser. In das Mindener Glacis, den Abschnitt mit der Mindener Schiffmühle.

Als ich dort ankam, war die blaue Stunde schon fast vorüber. Der besondere Reiz dieser Zeit (dabei handelt es sich übrigens meistens nicht um eine volle, ganze Stunde) liegt in der unvergleichlichen Lichtstimmung. Es ist die Zeit vor Sonnenaufgang (oder nach Sonnenuntergang), wenn sich die Sonne noch hinter dem Horizont versteckt und den Himmel in tiefem, leuchtenden Blau erscheinen lässt. An diesem Morgen konnte ich die Sonne schon leise erahnen, hatte gerade noch fünf Minuten Zeit für ein paar Fotos mit diesem Look, den ich so mag, mystisch und teils düster und ein Blau, dass Melancholie erzeugt und eine ungewöhnliche Atmosphäre in die Fotografien zaubert.

Der Nebel, der mich erwartete, veränderte das Licht. Er wirkte wie ein Weichzeichner und beeinflusste die Sättigung der Farben. Aber er schaffte eine besondere Stimmung. Es war, als hüllte er die Auen der Flußlandschaft sanft in Watte und der mystische weiße Dunst schien alles zu verschlucken. Alles um mich herum wirkte vollkommen unberührt und ich hatte das Gefühl ganz allein mit meiner Kamera zu sein. An solchen Morgen kann ich die Landschaft und die Ruhe viel intensiver genießen.

Dringt dann die Sonne durch den Nebel, sind wundervolle Lichtstimmungen möglich. Je nach Sonnenstand kann man unterschiedliche Farbkompositionen erleben. An diesem Morgen waren es gold-orangene und zartgelbe Töne – es ist immer wieder ein Naturschauspiel.

Durch die Sonnenwärme verdunstete das Wasser des Nebels und gab von Minute zu Minute mehr von meinem favorisierten Motiv frei.

Minden, Schiffmühle

Die Stunde nach Sonnenaufgang (und vor Sonnenuntergang) wird auch als „goldene Stunde“ bezeichnet. Die tief stehende Sonne erzeugt lange Schatten und taucht die Landschaft in einen warmen, goldenen Farbton.
Mit den folgenden Bildern war mein kleiner Morgenspaziergang dann beendet. Ich begegnete (im vorletzten Bild) noch einem Graureiher, hatte aber leider nicht das passende Objektiv dabei, um ihn näher heran zu holen. So ist das, wenn man Hals über Kopf aufbricht – trotzdem,  ein wunderschöner Einstieg in den Tag!

 

Herzlichst
eure Christiane

 

 

3 Comments

  • Reply
    Voll in die Sonne – Christianes Fujipixelchen
    August 22, 2018 at 22:23

    […] sowie die Zeit kurz davor und kurz danach. Über die blaue- und die goldenen Stunde habe ich hier schon mal etwas gezeigt. Die tief stehende Sonne, die morgens oder abends am Horizont steht und dem  Himmel faszinierende […]

  • Reply
    Martina
    Dezember 3, 2017 at 14:11

    Liebe Christiane, ich merke gerade, wie mir vor Staunen der Atem wegbleibt. Du hast so eine Gabe und Talent die besonderen Momente der Natur einzufangen..ich bleibe fasziniert. Und kann gar nicht entscheiden, welcher Blog mir am besten gefällt. Ich bin sooo beeindruckt. Du musst unbedingt eine eigene Fotoausstellung, vielleicht gespickt mit diversen eigenen Texten ins Leben rufen! Ich bin ein großer Fan!

    • Reply
      Christiane Pesendorfer
      Dezember 3, 2017 at 15:12

      Liebe Martina,

      das Fotografieren und die Gedanken, die ich dazu aufschreibe sind für mich so ein schöner Ausgleich zu dem, was ich sonst so mache und tut mir einfach gut. Danke, dass du hier mitliest, das bedeutet mir sehr viel….!

      Liebe Grüße
      Christiane

Schreibe einen Kommentar zu Martina Cancel Reply