Ein Weilchen Natur-lichkeiten Reisen

Usedom im Spätherbst

Zwölf ganze Tage ohne Pläne. Ehrlich gesagt, weiß ich nicht, wann ich das letzte Mal so etwas gemacht habe, denn in den letzten Jahren habe ich mich zu einem kleinen Duracell-Urlaubs-Häschen entwickelt, das möglichst viel in kurzer Zeit erleben wollte. Und das ist ja eigentlich auch grundsätzlich überhaupt nicht verkehrt! Aber wie ich dieses Jahr merkte, tat es zur Abwechslung auch mal ganz gut, einfach alles auf sich zu kommen zu lassen. Aber von vorne: vor gut zwei Wochen packten meine beste Freundin und ich unsere sieben Sachen, um unseren alljährlich stattfindenden Mädelsurlaub anzutreten (dritte im Bunde: Emma ) . Dieses Jahr sollte es noch einmal – wie schon 2015 – nach Usedom gehen. Allerdings nicht nach Koserow, sondern in eine schöne Ferienwohnung in einer Altbauvilla in Ahlbeck (diese nur leistbar, weil der Mietpreis um diese Jahreszeit auf ein Drittel des Normalpreises schrumpft).
Im Sommer fahren ja viele ans Meer; im Herbst geht zwar baden nicht ganz so gut (zumindest bei mir nicht – ein paar Hartgesottene gibt es aber immer, wie man weiter unten sieht), aber dafür haben der Strand und das Meer um diese Jahreszeit ihren ganz eigenen Reiz.

Und damit komme ich jetzt zu meiner persönlichen

Top Ten für einen Inselurlaub im Spätherbst

So einen Titel für einen Bericht wollte ich immer schon mal schreiben 😉 Es zeugt doch irgendwie von ganz unglaublich umfassendem Wissen und klingt gut, oder? In Wirklichkeit ist es aber eine vollkommen willkürliche Sammlung ganz subjektiver Tipps, in ebenso willkürlicher Reihenfolge (was bei Top Ten eher ungewöhnlich ist). Tipps, die ich alle aber guten Gewissens weiter empfehlen kann 🙂

Die Ruhe geniessen

Im Sommer bleibt an den Stränden der Insel oft kein handtuchbreites Fleckchen frei. Im Herbst wird das deutlich entspannter. Dann sind auch lange, ausgedehnte Strandspaziergänge möglich,  denn der kilometerlange Strand ist jetzt nicht mehr so überlaufen. Eine gute Zeit für alle, die auf Tiefenentspannung aus sind und mit sich und der Seele allein sein möchten. Mit etwas Glück hat man den Strand ganz für sich. Vor allem am Abend und am Morgen stehen die Chancen gut. Vielleicht mal ein Hund oder hier und da ein händchenhaltendes Pärchen. Aber ansonsten: absolut friedliche Einsamkeit.


 

Ist man erstmal so richtig angekommen, kann man alles abstreifen: Termindruck, ständige Erreichbarkeit und Stress. Auto stehen lassen und fast alles zu Fuß erkunden – das ist hier gut möglich und man wird fast dazu gezwungen, einen Gang herunter zu schalten.

An der Promenade entlang spazieren und die Seebrücken für sich haben

Auf einer einzigen Promenade kann man die drei Kaiserbäder von Ahlbeck über Heringsdorf nach Bansin zu Fuß erlaufen. Auf der rechten Seite die Villen, links den weißen Sandstrand und das Meer und über einem immer die im Herbst ganz golden schimmernden Laubbäume.

Wer kennt sie nicht, die Ahlbecker Seebrücke. Für Usedom ist sie so etwas wie das Brandenburger Tor in Berlin oder der Eifelturm in Paris. Vicco von Bülow, alias Loriot machte sie in Pappa ante Portas zur Kulisse für „Mutters 80. Geburtstag“.  Steht man erstmal mit den eigenen sandigen Füßen auf ihr, fragt man sich, wie die Fotografen  sie jemals einsam und verlassen vorgefunden haben können. Fest steht, im Herbst hat man gute Chancen auf weniger Andrang und Trubel. Ganz allein wird man sie aber wohl nur morgens um fünf erwischen…..

Kopf in den Wind, Wellen lauschen und atmen

Man sagt ja, wenn man ein richtiger Küstenmensch ist, dann liebt man das Meer auch im Herbst und im Winter. Im Gegensatz zur Promenade, liegt der Strand allerdings jahreszeitenlos da. Aber das Meer hat im Herbst seinen ganz eigenen Charme. Das fängt schon beim Licht an, das die Szenerie oft in fast schwarzes, klirrendes Blau taucht.

Ebenso oft kommt es vor, dass man vergebens den Horzont sucht, weil Himmel und Wasser im geichen Graublau schimmern.

Das beeindruckende Schauspiel des  rasenden Wechsels zwischen Sonnenschein und Regenschauer zu erleben, auch das ist Usedom im Herbst.

Wetterwechsel

Und plötzlich packt der Himmel die Discokugel aus (Klick macht groß):



Ein Herbststurm auf der Insel lässt erahnen, was Natur für Gewalten über die Menschen bringen kann. Wenn dann das schäumende Weiß der Ostsee  fast bis hoch an die Dünen reicht, dann beginnt für mich eine Zeit mit ganz besonderem Reiz auf der Insel; es ist die Zeit der Kontraste, des Lichtspiels, der Farben und der Weite. In diesem Jahr war es Sturmtief „Herwart“, das für einige Tage den kompletten Sandstrand in Heringsdorf und Ahlbeck stahl. Meterhohe Wellen, die bis auf die Brücke klatschten.

 

Drachen am Strand steigen lassen

 

 

Der Drachenladen der Insel hat jetzt Hochsaison, denn der Herbst ist für das Drachensteigen reserviert. Überall sieht man nun Erwachsene, die mit ihren Kindern das Drachenlenken üben und nicht selten landet auch mal einer im Meer.

Und im Meer schwimmen nicht nur Drachen, auch im November wagen sich noch einige Schwimmsüchtige in die kalten Fluten.

Fassadenstaunen und Schlösser bewundern

Breite Freitreppen, Türmchen, Säulen, Erker und Balustraden schmücken die prunkvollen Villen der Kaiserbäder Bansin, Ahlbeck und Heringsdorf. Hier gleicht kein Haus dem anderen. Sie ähneln den großen Stadthäusern der Berliner Villen in Grunewald oder Wannsee und wurden Ende 19.- Anfang 20. Jahrhundert erbaut. Eingebettet in eine weitläufige Parklandschaft, am liebsten jedoch direkt an der Promenade, baute sich die Berliner Schickeria ihre Sommerresidenz und zwar ganz ungeniert in unterschiedlichster Bauweise: Stilelemente aus der Jugendzeit, Renaissance, dem Barock und der Gründerzeit wurden hier zu einem Sammelsurium an Häusern nebeneinander gesetzt und zeigen mitunter kleine Märchenschlösser, die beim Betrachten fasziniert zum Schwelgen einladen.



Lässt man den Strand und die Bäderarchitektur hinter sich, kommt man ins Usedomer Hinterland und kann hier unberührte Natur und herrliche Stille allüberall erleben. Vorbei an der Bockwindmühle in Pudagla machten wir uns zuerst auf zum Schloss Stolpe, in dem alljährlich wunderschöne Konzerte im Rahmen des Usedomer Musikfestivals dargeboten werden. Ach ja, auch auf Usedom ist es mal grau und regnerisch und selbstverständlich wurde auch das ostvorpommersche Grau von mir dokumentiert; schließlich bin ich ja nicht diskriminierend. Und, ich erzähle nichts Neues, wenn ich sage: Schlösser und ich, das ist mehr als Zuneigung. Wenn wir aufeinander treffen, dann sprühen die Funken. Und so eine Schlosskulisse kann auch bei Regen recht attraktiv sein. Trotzdem war ich froh, als es mit dem Wetter dann wieder bergauf ging!

Schloss Stolpe

Bockwindmühle in Pudagla – im Hintergrund 😉

 

Wasserschloss Mellenthin mit wunderschönem alten Baumbestand


Den schönsten Strandkorb für sich auswählen

Die Strandkörbe stehen, entgegen mancher Erwartung, noch weit bis in den Herbst hinein am Strand. Zur späten Jahreszeit bekommt man sicher einen Platz und viele Strandkorbvermieter bieten zum Aufwärmen warme Getränke (mit oder ohne „Geist“) und kuschelige Decken an, um zwischen dicken Polstern windgeschützt zu entspannen und zu sonnen.


   

Den schönsten Sonnenaufgang erleben

Im Herbst wacht man tatsächlich früh genug auf, ohne sich den Wecker zu stellen müssen, um eventuell beeindruckende Sonnenaufgänge mitzuerleben. Wenn man ihn dann allerdings bemerkt, sollte man schnell – und von der bevorzugten Fotolokation nicht allzu weit weg sein. Und genau die Situationen sind es dann auch, in denen man bemerkt, dass man mit einer anderen Fotoverrückten unterwegs ist. Wir sahen das Motiv; das vergängliche Motiv. In diesem Fall den Morgenhimmel, der ganz ganz tief in den Tuschkasten gegriffen hat. Dann rannten wir los, und merkten doch ziemlich schnell, dass zwischen uns und der Ahlbecker Seebrücke noch jede Menge Straßen, Stufen, Dünen und Sandstrand lag. Für eine Handvoll Bilder hat es jedoch noch gereicht.




Bummeln, Shoppen und Futtern

Auch in der Nebensaison haben viele schöne Insel-Geschäfte geöffnet; und wir wären keine Mädels, wenn wir sie nicht ordentlich ausgekundschaftet hätten…. 😉 Es gibt ein paar nette Premium-Läden, die nicht Mainstream sind. Und was man natürlich auch gut auf der Insel bekommt, ist Funktionskleidung. Da kennen sich die Insulaner wirklich aus und können gut beraten. Natürlich bekommt man haufenweise Bernstein zu kaufen, wunderschön-, aber, wenn man nicht aufpasst auch schlecht verarbeitet.
Die „Zitrone des Nordens“ fühlt sich zwischen Seegras und Düne am wohlsten. Sanddorn kann hier in allen Variationen – Likör, Marmelade, Honig, Saft und Hautcreme –  erworben werden.

Ja und dann gibt es einen Laden, der in seiner Kombination vom ersten Eindruck erstmal „schwierig“ ist: das „Peer 14“ in Zinnowitz. Unten kannst du die hochwertigsten, stylischsten Klamotten kaufen, dann gehst du einige Stufen rauf und landest in einem urgemütlichen kleinen Restaurant, das – man höre und staune- mehrere vegane Spezialitäten anbietet. Ja, ruhig nochmal lesen: vegan. Danach sucht man hier in der Gegend ja vergebens, leider. Noch dazu hausgemacht, frisch und saisonal und…. auch noch mega lecker. Dieser „Laden“ hat mich wirklich beeindruckt! Im Herbst ruhig mal die Süßkartoffel-Pommes oder den Vegan-Burger probieren – es lohnt sich!

Barfuß durchs Wasser waten

 

Für mich gibt es nichts Schöneres, als ohne Schuhe und Socken durch Sand und Wasser zu laufen. Meiner Meinung nach ist im Herbst sogar die perfekte Wasser-Wat-Zeit. Das Wasser ist noch warm genug und der Kreislauf wird so richtig angekurbelt. Natürlich muss man aufpassen, dass man nicht zu lange im Wasser stehen bleibt, ansonsten aber gilt: Schuhe und Socken aus und los geht´s, völlig kostenlos und unkompliziert!

 

Möwen jagen

Nein, nicht ich! Ich würde mich niemals trauen, die friedlich sonnenden Vögel zu verscheuchen. Aber unser Hund macht das sehr gerne und dann entstehen wirklich schöne Fotomotive (keine Panik, sie scheucht nur auf, für  alles andere ist sie zu lahm und zu lieb). Ich habe  Emma nicht darauf abgerichtet, wenngleich sie wahrscheinlich merkt, dass auch ich Freude daran habe – aus sicherer Entfernung, versteht sich.


So, das waren meine persönlichen, ultimativen 10 Gründe für einen herbstlichen Urlaub auf der Insel.

Wir haben die Tage sehr genossen und konnten richtig entschleunigen und loslassen. Leider verließen uns in den ersten Tagen auch unsere Abwehrkräfte und wir bekamen beide hintereinander einen richtig fiesen Infekt, der uns jäh aus dem Verkehr zog.  Aber trotzdem: die schönen Eindrücke der Insel überwiegen eindeutig!

Am letzten Abend bevor wir Lebewohl sagten, konnten wir noch eine schöne Abendstimmung am Achterwasser beobachten. Bis zum nächsten Mal, versteht sich. Es braucht schon mehr als eine bösartige Grippe um uns los zu werden. Vielleicht geht es dann auch ohne gesundheitliche Zwischenfälle.


 

Alles Liebe
eure Christiane

 

 

 

 

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