Besinnlichkeiten

Männer fotografieren anders

…… Frauen auch! (frei nach Loriot)

Warum lesen sich eigentlich die Fotografiebücher der männlichen Autoren so schlecht? Weil es dabei sowieso meist nur um Technik geht und nicht um das eigentlich Wichtige, nämlich Herz, Emotion und Bildaussage. Frauen ist das alles in die Wiege gelegt worden, sie erkennen sofort, was ein Foto interessant macht. Ihnen geht es mehr um Gefühle; Farben und Details stehen bei ihren Fotos im Vordergrund. Auf der anderen Seite kennen sie vielleicht gerade noch die Farbe ihrer Kamera aber nach dem Kamerasystem oder der Marke sollte man sie besser nicht fragen. Mit der Technik haperts sowieso ein bissiie ! Männer dagegen sind technikverliebt und können gut Kameras und Objektive bauen; ihre Devise ist: größer, schwerer, komplizierter.

Ihr denkt jetzt sicher, was hat die denn gefrühstückt? Ist ihr vielleicht die Hitze der letzten Tage nicht bekommen? Alles gut bei mir! Auch ich weiß: es gibt Männer, die ausschließlich im Automatikmodus fotografieren und Frauen, die die technischen Daten ihrer Aufnahmen und Ausrüstung herunter rattern wie das kleine 1×1 ! Auch Männer produzieren selbstverständlich emotionale, ausdrucksstarke Fotos, während manche Bilder von Frauen den Unterhaltungswert einer Schlaftablette haben.

stutenbissig?

 

Das Leben in unserer Gesellschaft ist nicht leicht, wie gut tun da ein paar Schubladen

Der Auslöser für diesen Beitrag war ein Einkaufsbummel in der Kölner Innenstadt. Ich wollte ein Fotografie-Fachbuch kaufen und wurde in einer Buchhandlung von einer freundlichen Verkäuferin sehr intensiv beraten. Ohne zu wissen, für was genau ich mich interessiere, überreichte sie mir aus dem großen Angebot griffsicher eine Fotoschule speziell für Frauen (und für „Männer mit Intuition“!).
In meinem Kopf fing es sofort an zu rattern. Ich hatte ein Déjà-vu: im Studium wurde das Fach Orgelbau strikt getrennt für Katholiken und Evangelen unterrichtet (kein Scherz! Der erfahrene Kirchenmusiker weiß natürlich: katholische Orgeln unterscheiden sich ganz gravierend von evangelischen Orgeln (hust) und – noch wichtiger – katholische Organisten haben eine andere Auffassungsgabe als evangelische).
Mir stellte sich also sofort die Frage: warum müssen Frauen anders an das Thema Fotografie herangeführt werden als Männer? Meine Buchberaterin schien das Buch zu kennen und gab mir gerne Auskunft. Das Buch ließe sich wunderbar lesen, eben wie ein gutes Buch, im Erzählstil, ohne zuviel auf Technik herum zu reiten. Es zeige viele schöne Fotografien und Zitate von Fotografen und es gebe Platz für eigene Notizen. „Richtet es sich an Anfänger, ohh ähh sorry, …  Anfängerinnen?“ fragte ich.  Ja, am Ende gebe es einen kleinen Test. Sie blätterte…. „sagen sie mal: was bedeutet Zeitautomatik? Was berwirkt ein Polfilter? Wie korrigiere ich Unter- und Überbelichtung…….“? Könne man das beantworten, dann sollte man sich selber als fotgeschritten einstufen.
So langsam wurden wir beiden miteinander warm. Sie erzählte mir, dass sie selber auch fotografiert und die Erfahrung gemacht habe, dass Frauen eher intuitiv an die Sache heran gehen, sozusagen „aus dem Bauch heraus“ und Respekt vor Technik haben. Für sie sei der ganze Technikkrams eher Mittel zum Zweck. Fotografie sei immernoch eine Männerdomäne. Und „ganz im Vertrauen“: im Internet erkenne man sofort die Angeber: mein Haus, mein Pferd, mein Porsche, meine Kamera; aber ihr fiele auf, dass es Leute seien, dessen Fotos man schon 1000 x  gesehen habe und die an allem etwas zu herum zu nörgeln haben, vor allem an den Kameras anderer (womöglich ohne sie jemals selber ausprobiert zu haben). Irgendwann wurde meine klischeebehaftete Fotobuchfachverkäuferin von einem anderen Kunden angesprochen, so dass ich mich mit „meiner“ Frauen-Fotoschule in eine stille Leseecke verziehen konnte. Obwohl es wirklich interessant und kurzweilig geschrieben ist (selbst für Männer, die etwas lernen wollen 😉 ) kaufte ich es nicht, denn ich suchte ja eigentlich etwas ganz anderes.

Männer stehen auf sexy Dessous!

 

Doch das Thema beschäftigte mich und wieder Zuhause angekommen wollte ich wissen, was es denn nun genau damit auf sich hat.
Wenn man in der Suchmaschine „Fotografie für Frauen“ eingibt findet man außer besagter Literatur auch massig Angebote für Fotokurse, die sich speziell an Frauen wenden. Dringt man tiefer in die Materie vor, merkt man schnell, dass das Thema Frauen hinter der Kamera (oder allgemeiner gehalten: Frauen und Technik) immer mal wieder für hitzige Diskussionen und „interessante“ Meinungsäußerungen sorgt (z.T. vollkommen unter der Gürtellinie und besonders empfehlenswert zu lesen, wenn man zu niedrigem Blutdruck neigt).

Gibt´s ein Problem?

 

Wer macht denn nun die besseren Fotos?

Das scheint eine ganz weltbewegende Frage zu sein. Findet man eine Antwort? Nein! Auch ich sehe bei Fotos keinen geschlechterspezifischen Unterschied. Die Fotos unterscheiden sich nur in der Individualität der Fotografen/Fotografinnen. Es entstehen also nicht vollkommen unterschiedliche Bilder, aber der Ansatz ist oft ein anderer, wie ich finde.
Bei mir hat sich die Leidenschaft zur Fotografie aus der Idee entwickelt, etwas Schönes festzuhalten. Dabei war Technik erstmal nebensächlich. Ich merkte allerdings recht schnell, dass technisches Verständnis hilft, kreativer und individueller zu fotografieren. Und ich glaube, viele Frauen gehen diesen Weg und kommen so auch zum Ziel; sie begreifen Technik anders, aber kapieren deswegen nicht schlechter.

Dürfte ich eine Kamera entwickeln, dann hätte sie nur halb so viele Funktionen und würde genau so gute Bildqualität liefern. Damit, liebe Kamerahersteller, könnte man einen großen Markt erobern, vor allem den weiblichen. Die überfrachteten Menüs sind vielen Frauen ein Greuel und suggerieren, dass man sie auch benutzen muss. Das geht soweit, dass einige glauben schlechtere Bilder zu machen, weil sie die ganzen vorhandenen Funktionen, die sich im Menü ihrer Kamera verstecken, nicht nutzen.

Ich glaube auch nicht, dass Technik eine Frage des Geschlechts ist. Manche interessieren sich mehr dafür, manche wenden sie eben an, ohne vor dem Drücken des Auslösers im Detail genau  erklären zu müssen, warum sie jetzt welche Iso, Blende oder sonstige Einstellung benutzen. Schüchtert uns Frauen das ein? Manche schon, denn sonst würde es wohl kaum so viele Angebote speziell für Frauen geben, denn die Nachfrage ist scheinbar groß.

Wie können wir alle zu besseren Fotos kommen? Jeder nutzt seine Stärken und lässt sich auch mal auf Neues ein. Die einen lernen die Technik ihrer Kamera besser kennen, die anderen vergessen sie mal für einen Moment und besinnen sich darauf, dass es um Bilder und deren Aussage geht. Toleranz ist hier das Zauberwort (Weltverbesserermodus aus) !

Alles Liebe
eure Christiane

einfach mal reflektieren

3 Comments

  • Reply
    Kai
    Juni 29, 2018 at 20:56

    Oh ja, da triffst Du meinen Nerv. In der Tat gibt es Unterschiede zwischen Frau und Mann, wenn auch politisch soziologisch kulturell nicht mehr gewollt. Und in der Tat finde ich es schade, dass sich Frauen in Foren sehr selten an Diskussionen rund um die Fotografie beteiligen. Aber ich schaue mir mitunter ganz bewusst Bilder von Fotografinnen an, schüttle aber auch gleichermaßen den Kopf bei männlichen und weiblichen Fotografen. Technik muss bei mir auch ohne Anleitung fotografieren. Ich glaube einfach, dass Menschen, angeblich technikbegeistert und religiös mit einer Marke verbunden und neuheitenfixiert, selbst keine Konstante in ihrem Leben haben. Und vielleicht ist es auch ein wenig der Gockel in uns Männern, der dann Fuji Instax oder Lomos als was primitives abtut und gar nicht merken, wie eng ihr Blickwinkel durch das immer extremere Weitwinkel ist.
    Vielleicht gehen Frauen mehrheitlich unbefangener mit dem Thema um, weil sie sich nicht darüber definieren müssen. Gleiches dürfte allerdings auch für selbstbewusste Männer gelten- aber eben auch nur für sie.
    Man könnte eine ganze Serie oder eine Doktorarbeit über das Thema verfassen, so vielfältig ist es. Meine kleine Maus mit ihren gerade mal zwei Jahrem Erdenbürgerschaft hat das Thema auf den einfachsten Punkt gebracht, wenn sie Papas Kamera haben will. Dann sagt sie einfach: „Papa, Foto machen“. Und dann ist mir jede Kamera so heilig, dass ich sie ihr vor die Augen halte. Das Motiv ist der einzige Auslöser für ein Bild- sowohl für Männer wie für Frauen. Aber man(n) kann es sich mitunter schwer machen:-)
    Tolles Thema.

    Lieber Gruß
    Kai

  • Reply
    Klaus R.
    Juni 13, 2018 at 13:12

    Vor den grundlegenden Parametern für ein Foto sind Männer und Frauen gleich. Fokus, Blende, Belichtungszeit und ISO sind die Parameter, welche für die Erzeugung eines Bildes aus technischer Sicht relevant sind.

    Bei der Frage nach dem Bildgeschmack, kann man es eh nie allen Recht machen. Aus meiner Sicht ist es wichtig, dass man als erstes selber mit seinen eigenen Bildern zufrieden ist.

    • Reply
      Christiane Pesendorfer
      Juni 13, 2018 at 13:25

      Vielen Dank für den Kommentar. Das kann ich so unterschreiben und spricht mir aus der Seele 🙂

      LG
      Christiane

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