Besinnlichkeiten Ein Weilchen Events

Da ist Musik drin

Am vergangenen Wochenende habe ich wieder bei einer musikalischen Veranstaltung fotografiert. Meine liebe Kollegin Katharina hat mit ihrer privaten Musikschule den „Karneval der Tiere“ aufgeführt. Es galt ein großes Musikschulorchester und einige schöne Aktionen auf der Bühne auf Fotos festzuhalten.

friedliches Beisammensein unterm Notenpult

 

praktischer Flaschenhalter

Den Cellisten auf die Finger schauen, auf Tuchfühlung mit den Posaunisten gehen oder die Querflöten von oben fotografieren – im Konzert selber ist sowas unmöglich. Man kann sich nicht frei im Raum bewegen und fotografiert dann ständig aus der gleichen Perspektive. Deshalb sind diese Fotos hier ausschließlich in der Probe entstanden, denn durch unterschiedliche Blickwinkel entstehen deutlich spannendere Bilder und auch manche Impressionen, die man so im Konzert nicht antreffen würde.

 

Posaunistengespräche

 

Aber als ich bei der Generalprobe fotografierte, ging es mir nicht darum, Fotos der Ausführenden zu machen um sie hier zu zeigen – es sollten Erinnerungsfotos für die Mitwirkenden und für die Musikschulhomepage werden.


Der Schwan


Katharina und ich kennen uns schon gute 25 Jahre, wir arbeiten beide an der gleichen Musikschule und musizieren seit vielen Jahren auch zusammen im Duo. Musikalisch sind wir wie Geschwister. Wenn wir zusammen Musik machen,  spürt die eine, was die andere vorhat, auch ohne Worte. Wir sind uns (fast) immer einig und wenn nicht, ergänzen wir uns prima.
Als ich am Samstag nach der Probe Zuhause meine Bilder betrachtete, fiel mir auf, dass ich eine ganze Serie an Fotos von ihr am Dirigentenpult gemacht habe. Und zwar aus Zuschauerperspektive. Das hätte ich auch anders haben können, aber scheinbar / offensichtlich hat mich etwas gefesselt.


So ein Dirigent ist in einem Konzert ja meist ein relativ anonymes Wesen, das sich über die Musik ausdrückt. Man sieht nur seinen Rücken, die ausdrucksstarken Bewegungen der Arme und Hände; manchmal ist auch der ganze Körper beteiligt. Mit großen, ausladenden Bewegungen scheint er expressionistische Gefühlsgemälde in die Luft zu malen. Mal überschwängliche Euphorie, mal ein schnelles Zurücknehmen, dann schwärmerisches Schwelgen und im nächsten Moment ein fulminantes Fortissimo. All das kann durch den Rücken des Dirigenten transportiert werden. Faszination ist immer dabei!

Aber das ist es nicht allein, was mich am Ausdruck dieser Bilder fesselt.

Früher war es eher verpönt bei Fotos z.B. für ein Plattencover, auf die Persönlichkeit des Interpreten einzugehen; die Musik sollte wirken, nicht das Dekolleté oder die gestylte Tolle des Maestros. Ich erinnere mich an meine alten Schallplattenhüllen, auf denen Noten, Städtekulissen oder Komponistenköpfe abgebildet waren. Heute findet man auf CD-Covern ausdrucksstarke, charakterstarke Bilder der Interpreten. David Garrett kommt auf seinen Bildern wie Jonny Depp in „Fluch der Karibik“, mit langen, wehenden Haaren, offenem Hemd und dicken Fingerringen daher, Anna Netrebko liegt wie gemalt in einem kirschroten wunderschönen Ballkleid mit Megaschleppe und wirkt wie eine riesige wunderschöne Blüte. Der große Dirigent hockt versunken im Gras und scheint in Gedanken noch einmal seine Partitur durch zu gehen. Das Gesicht sieht man nicht und trotzdem gibt es vermutlich kein treffenderes Portrait als gerade dieses. Oft denke ich: jawoll, das trifft es genau.

Schick die Phantasie auf Reisen

Angenommen, ich hätte die Möglichkeit die Dirigentin meiner Bilder in einer ihrer Posen in eine andere Kulisse zu setzen, dann wäre es ein prachtvoll leuchtendes Lavendelfeld in der Provence – Lavendel bis zum Horizont.  Dann würde das Bild einiges von dem spiegeln, was die Hauptperson ausmacht: eine sensible Seele, die ganz für die Musik lebt, freudvolle Hochgefühle, Begeisterung, Liebe zur Natur, zu einem besonderen Landstrich und noch vieles mehr….

Alles Liebe
eure Christiane

 

PS: vor ein paar Tagen ist mein kleiner Blog genau ein Jahr alt geworden. Einfach so über Nacht, heimlich still und leise, von mir selber vollkommen unbemerkt. Wie so oft ging dieses Jahr enorm schnell um.
Ich liebe es, zu schreiben, zu gestalten und – noch viel mehr – zu fotografieren.
Vielen Dank an alle, die hier mitlesen. Danke an alle, die in einem Kommentar, einer e-Mail oder persönlich zum Ausdruck bringen, was sie bewegt. Ich freue mich sehr darüber

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