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Wohltuende Gewohnheit

Ja, ich bin ein Gewohnheitstier.  Das ist nicht zu leugnen. Gewohnheit gibt mir Sicherheit, Ruhe und bedeutet Heimat. Und ich brauche auch die Rituale anderer, um Situationen und Menschen besser einschätzen zu können. Wenn meine Tante mich mal irgendwann am Telefon nicht mehr mit „Morgen Mäuschen“ begrüßt (egal zu welcher Tageszeit), dann stimmt ganz sicher etwas nicht. Würde der Zahnarzt meines Vertrauens jemals ein Spiegelchen in die Hand nehmen, ohne mir vorher wenigstens einmal versichert zu haben, dass er sehr vorsichtig sein wird, werde ich sicherlich mistrauisch.
Durch solche Kleinigkeiten strukturiere ich meine Umwelt und habe das Gefühl in bestimmten Situationen die Kontrolle zu behalten.

Rollenspiel

Wenn ich alleine unterwegs bin, dann halte ich mich auch gerne an denselben Orten auf. Natürlich nehme ich mir auch die Zeit, neue Plätze zu  entdecken, sonst wäre es ja langweilig. Aber wenn ich mal Ruhe brauche, oder irgendetwas gerade nicht so rund läuft und ich irgendwie überfordert bin, gehe ich gerne an immer dieselben Orte. Ich denke, jeder kennt solche Situationen. Ich schnappe mir meinen Hund und meine Kamera und brauche dann keine Abwechslung, sondern genieße die gewohnte Umgebung und die damit verbundene Geborgenheit. Das empfinde ich als ganz und gar nicht öde, denn ich kann auf diesen Runden immer etwas Neues entdecken.



Hier in meiner deutschen Heimat gibt es genau zwei Plätze, die ich dann gerne aufsuche. Einer davon ist der Bürgerpark in Hausberge.

Er ist gar nicht sehr groß, unser Bürgerpark, aber man kann dort ohne Hektik und Lärm die Seele baumeln lassen. Viele Bänke laden zum Verweilen ein; durch den alten Baumbestand läßt sich manches Vogelkonzert erleben. Mit der Zeit weiß man dann auch, an welchen Stellen zu welcher Tages – /Jahreszeit das Licht besonders schön ist. Das mag vielleicht etwas abgehoben und esoterisch klingen, aber genau so ist es:  ich schaue durch meine Kamera und merke, dass ich irgendwann an nichts mehr denken muss und der Kopf frei wird.

Keilstücke

Am Wochenende war ich mal wieder mit meiner Freundin dort und, wie so oft an diesem Ort, haben wir eine Menge Details aus dem Parkleben im Makromodus mit nach Hause gebracht.

Netz im Netz

 

Zur Zeit wird der Park für einige Wochen zur Galerie unter freiem Himmel. Der Kunstkreis Porta Westfalica  zeigt dort Ausstellungsstücke, die sich an 21 Stationen in die Natur des Parks integrieren.
Bambus, Wurzeln, Äste, Stöcke, Farn, Blätter, Blüten, Nüsse, Steine ….. und vieles mehr wurden von den elf Künstlerinnen des Kunstkreises Porta Westfalica gesammelt und künstlerisch verarbeitet. Da ist es wahrscheinlich kein Wunder, wenn man sich detailverliebt an Kleinigkeiten, Formen, Oberflächenstrukturen und Mustern festbeißt.


Falls sich jemand diese Ausstellung „Schnittgut“ ansehen möchte: sie steht noch bis zum 21. August und unterliegt natürlich einem gewollten Verfallsprozess. Aber es lohnt sich und vielleicht ist ja der ein oder andere neugierig geworden, wie Park und  Kunstwerke in der Totalen aussehen.

Alles Liebe
eure Christiane

Ruhepol

2 Comments

  • Reply
    KAi
    August 27, 2018 at 22:50

    oh ja, die gewohnte Umgebung: Und die war auf einmal nicht mehr da, als ich an diesem Wochenende zuerst nach Porta Westfalica fuhr und im Anschluss nach Minden. >a war ich gerade mal einfach traurig.
    endlich wollte ich mal wieder zu meinem absoluten Lieblingsdenkmal, also fuhr ich wie gewohnt gleich hinter der Mailche den Berg hinauf. Massen von Autos, Motorrädern und Menschen und dann auch Parkgebühren- das war ungewohnt. Nein, in solchem Trubel wollte ich meinem Kaiser Wilhelm nicht HALLO sagen und fuhr ohne auszusteigen wieder abwärts. Auf die andere Seite der Weser, um wenigstens eben diesem in Stein gehauenen Kaiser von unten zu sehen. Aber auch dieses Bild war ungewohnt. Dominierend zeigt sich das neue Ausstellungsgebäude und Restaurant, auf dem das einst so stolze Denkmal wie ein schlecht platzierter Dachreiter aussieht. Das muss ich erst einmal verarbeiten.
    Nach diesem Schock wollte ich auf alten Wegen nach Minden, so wie ich früher vom Büro nach Hause fuhr. Doch die heutige Verkehrsführung völlig ungewohnt, unverständlich und chaotisch.
    Eine Stunde habe ich dann doch die Innenstadt genossen und ebenso ein Eis, dabei an vergangene Zeiten gedacht und daran, wie schön ich es hier einmal fand.
    Fotografieren wollte ich an diesen Tag- das Gewohnte, doch brachte ich kein einziges Bild heraus, fast ungewohnt.
    Am Abend ging es wieder nach Hause, den langen Umweg bedauernd- ebenso ungewohnt.
    Warum nur ist Fortschritt beliebter als einfach Stehenbleiben? Denn kommt gewohnt nicht irgendwie auch von WOHNEN, sich zuhause fühlen?
    Vielleicht komme ich mal wieder, um wieder einen Moment zu bleiben, zu wohnen, so für zwei drei Tage. Und dann mache ich Bilder, wie gewohnt und setze mich in meine Marienkirche. Aber im Moment sind für mich Minden und die Porta Westfalica einfach einen Schritt fort.

    • Reply
      Christiane Pesendorfer
      August 28, 2018 at 11:55

      Ojee, das hört sich ja sehr enttäuscht an…., wie schade!

      Unser Denkmal war tatsächlich einsturzgefährdet und wurde audgrund dessen einige Jahre saniert. Die Ringterrasse, die nun ein neues Bild ergibt, gab es jedoch schon immer; sie wurde allerdings bei einer Sprengung nach Kriegsende teilweise zerstört und ist nun wieder hergestellt.
      Den Besucheransturm, der dort oben zur Zeit herrscht, sehe ich mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Ich wohnte vor Jahren einige Zeit direkt unterhalb des Denkmals, an der Portastraße und meine Hundegassigänge führten mich oft durch den Wald hinauf zum Denkmal. Egal, wann man dort ankam, es herrschte eigentlich immer „tote Hose“. Mit `Denkmal´ hatte das nicht mehr viel zu tun. Ich fand das traurig. In meiner Kindheit gab es dort oben einen kleinen Andenkenladen und ein Restaurant, in dem man sich nach einer Wanderung stärken konnte. Irgendwie fehlte soetwas dort oben schon lange. Momentan ist der Wilhelm durch die Neueröffnung und die Ferienzeit besonders frequentiert – noch dazu am Wochenende. Ich selber war auch noch nicht wieder oben, weil ich den derzeitigen Ansturm etwas fürchte….

      Ja und die Straßen in Minden sind eine Katastrophe gerade!! Es gibt mindestens drei Komplettsperrungen, so dass selbst ich vorher überlegen muss, wie ich am besten in die Innenstadt komme 🙁

      Ich hoffe, du hast bei deinem nächsten Besuch mehr Glück und kannst die Zeit dann richtig genießen. Denn die Stadt, die alten Gebäude und Gassen laden nach wie vor zum Verweilen und Erinnern ein 🙂

      Liebe Grüße
      Christiane

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