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Mein ganz persönlicher Oberösterreich-Krimi

Jeder (oder fast jeder) hat so seinen magischen Ort, an dem es ihm besonders gut geht. Meiner befindet sich in Oberösterreich am Traunsee. Gleich danach kommt Salzburg, die Stadt mit dem unglaublichen Flair. Davon berichte ich ein anderes Mal auch noch; diese Stadt braucht ihren eigenen Beitrag…

Ich mache es kurz: unser Urlaub am Traunsee begann etwas holprig. So malerisch uns der See und seine Umgebung sonst bei Ankunft entgegenblickte, so waren die ersten Eindrücke in diesem Jahr etwas anders: die Landschaft war vertrocknet, braun und es war heiß, wirklich sehr schwül und heiß! Obwohl die Temperaturen im Vergleich zu denen in der deutschen Heimat nur minimal höher ausfielen und wir eigentlich hätten daran gewöhnt sein müssen, setzte uns die Bewegung draußen bei der Hitze ganz schön zu.

Zu allem Überfluß zog ich mir am ersten Tag des Urlaubs auch noch eine sehr schmerzhafte Entzündung der Achillessehne zu. Laufen gestaltete sich schwierig. Ärztliche Anordnung: Schonen, hoch lagern und kühlen – „das dauert“! Super Prognose für einen Urlaub.

Gleich am zweiten Tag beschloss ich, wenigstens eine dieser Empfehlungen umzusetzen, packte meine Badetasche, suchte mir einen schattigen Badeplatz, um den kranken Flunk zu kühlen. Ganz nebenbei war genau das etwas, auf das ich mich schon seit Beginn der Freibadsaison Zuhause freute: im Urlaub täglich im kühlen, klaren, ungechlorten Bergseewasser zu schwimmen.
Pustekuchen! Schon am folgenden Tag konnte man an den Badeplätzen des Traunsees Schilder mit der Warnung vor Zekarien finden, die scheinbar schon einigen Badegästen einen üblen, juckenden, roten, pusteligen Hautausschlag beschert hatten.

Das alles drückte ordentlich auf die Stimmung und irgendwie wollte ich wieder nach Hause. Zumindest ein ganz kleines bisschen.

Es wäre wohl ein trauriger Urlaub geworden, wenn der Wind in den folgenden Tagen sich nicht gedreht hätte.

Meine hübschen pinkfarbenen Badeschlappen sollten die nächsten zwei Wochen zu treuen Wegbegleitern werden. Darin konnte ich am besten laufen, die waren weich und – am allerwichtigsten – hinten offen. Unser Urlaub startete mit einer kleinen Bötchentour über den Traunsee und Spaziergängen durch die Parks im Ort.

Die Kirche im See (Traunkirchen) und der Traunstein

 



Gleich am ersten Wochenende gab es in Gmunden ein großes Lichterfest. Eine Art Volksfest, bei dem am Abend ein Klangfeuerwerk auf dem Programm stand und der See durch schön beleuchtete Schiffe festlich illuminiert wurde. Schon zwei Tage vorher wurden die Straßen des kleinen Ortes abgesperrt, so dass man nur noch zu Fuß in den Stadtkern kam. Unsere Vermieterin erzählte uns, dass jedes Jahr an die 16000 Gäste erwartet werden und am Tag der Tage wurden wir Zeugen einer kleinen Völkerwanderung hinunter in den Ort. Wir beschlossen, uns nicht ins Getümmel zu stürzen, sondern das Feuerwerk von einer Anhöhe direkt über dem See zu beobachten. Hier kamen wir dann auch voll auf unsere Kosten.

Lichterfest Gmunden

Die nächsten Ausflüge führten uns an und um verschiedene Bergseen in der Umgebung.

Almsee

Das Haus im See


Abenteuer Gosausee

In diesem Jahr wollte ich mal wieder an den Gosausee. Direkt vor dem Dachstein findet man den vorderen Gosausee, der auch „Auge Gottes“ genannt wird. Das klare Gletscherwasser mit der Spiegelung des höchsten Berges im Salzkammergut ist ein wahres Naturschauspiel.

Das letzte Mal, als ich dort war, so vor gut zehn Jahren, gab es ein ausgesprochen unangenehmes Erlebnis mit einem komplett durchgeknallten Förster. Ich war damals mit meiner recht betagten 14 jährigen Hündin unterwegs, die ich bei einer kurzen Pause ableinte, damit sie sich im See erfrischen konnte. Nur saufen, nicht schwimmen – das hätte sie gar nicht mehr gekonnt, ich war froh, dass ich sie damals überhaupt noch um den See bekam. Na jedenfalls stand er plötzlich hinter mir mit der Knarre im Anschlag und beschimpfte mich in unverständlichem österreichischem Dialekt-Kauderwelsch, weil der Hund nicht angeleint war. Er wollte mich mit auf die Gendarmeriewache nehmen und wurde sogar handgreiflich. Als ich mich „eher unkooperativ“ zeigte, wollte er meinen Hund erschießen. Ich weiß letztlich gar nicht mehr genau, wie ich aus dieser Situation heraus kam, – es war dramatisch…. auf jeden Fall sitzt mir das Erlebnis heute noch in den Knochen und hatte zur Folge, dass ich jahrelang diesen See mied. Obwohl er doch so wunderschön ist!

Gosausee mit Dachstein

 

In diesem Jahr wollte ich da wieder mal hin; jede von uns hatte eine Leine dabei. Wir waren also gut gewappnet und machten unsere Wanderung um den See, – diesesmal ganz ohne  Zwischenfälle 🙂

Auf dem Weg durch den Wald begegneten wir einem Vierbeiner, der eigentlich oben auf die Alm gehörte. Scheinbar schmeckte ihm der wilde Holunder besser, als das saftige Almgras.

 

Am Abend kehrten wir in einem kleinen Gasthof ein, dem einzigen am Ort, um dann in der Dämmerung die Rückfahrt anzutreten. Als wir unten im Gosautal angekommen waren, breitete sich ein wunderschöner Sternenhimmel vor uns aus. Wir hielten kurz an, blickten zurück und konnten direkt über dem Gosaukamm die Milchstraße sehen.

Jaaaa…, ich wollte immer schonmal die österreichischen Sterne fotografieren und die Bedingungen in dieser Gegend waren wirklich fantastisch: zwei Tage nach Neumond und oben am See würde keine künstliche Lichtquelle stören. Kurzentschlossen drehte ich um und fuhr die gut 8 km Serpentinen wieder zum See hinauf. Inzwischen war es fast 23 Uhr. Den Hund ließen wir im Auto und los sollte es gehen.

Ich bin ja von Natur aus kein Nachtmensch. Schon als Kind hatte ich eine ausgeprägte Abneigung gegen dunkle Räume. Meine Mutter musste jahrelang heftiges Quengeln und Nörgeln ertragen, wenn es darum ging, in meinem Zimmer Abends das Licht zu löschen. Gut, dass es diese kleinen grünen Nachtnotlichter gab, die man in die Steckdose stecken konnte…. Hier am Gosausee gab es die nicht!
Wieso kam ich also auf die grandiose Idee, am Gosausee freiwillig in die stockdustere Nacht zu laufen, in der man nicht mal seine eigene Hand vor Augen, geschweige denn die Mauer sehen würde, hinter der auf einem langen Hang Schotter hinunter rollte, der direkt im `Auge Gottes´landete? Es ist mir ein Rätsel! Irgendwie muss sich mein inneres Kriegsreporterinnengen gemeldet haben.
Fakt ist: der Sternenhimmel war grandios, die Bedingungen für ein tolles Foto ohne Lichtsmog optimal und unsere Taschenlampe schlummerte in der Ferienwohnung vor sich hin, denn schließlich war diese Aktion nicht geplant.

Zusammen mit Steffi, die ein ähnliches Verhältnis zu Nachtwanderungen pflegt wie ich, nämlich keins, ging die Reise los: bibbernd (es waren noch 12 Grad da oben) liefen wir in kurzen Hosen und ärmellosem Top durch die Nacht, das Stativ mit ausgefahrenen Beinen vor uns her schwenkend, damit wir größere Hindernisse, wie die Mauer, Felsvorsprünge und Bänke früh genug wahrnehmen konnten. Mit anderen „Unwägbarkeiten“ hatten wir zu dem Zeitpunkt noch nicht gerechnet. Ich hatte immer die Hoffnung, dass sich unsere Augen doch noch irgendwann an die Dunkelheit gewöhnen würden; taten sie aber nicht. Das Einzige, was noch erkennbar war, war die Gosaukammkette, die sich pechschwarz unter dem Sternenhimmel abzeichnete.

Von rechts hörte ich immer mal wieder den Tipp: „schau mal in den Himmel, dann weißt du, wofür du das tust“. Ich war entzückt; Steffi versteht es immer, mich zu motivieren. Die Entzückung ließ allerdings relativ schnell nach, als ich über einen Stein stolperte, in dessen Folge ich noch mehr Sterne sah als sowieso schon. Der Stein muss mindestens kindskopfgroß gewesen sein. Die Hand der Freundin konnte mich gerade noch halten, dafür verlor ich jedoch eines meiner pinkfarbenen Badeschläppchen.

Ab diesem Zeitpunkt hörte für mich der Spaß auf. Eindeutig! Natürlich wollte ich nicht weicheiig rüber kommen und überhaupt, was sollte ich tun? Mich schluchzend auf den Boden sinken lassen und auf den nächsten Morgen warten? Keine gute Idee, denn hier gab es sicher auch allerhand Krabbeltiere, Spinnen und kleine Schlangen, oder nicht? Ich hatte keine Wahl. Mit dem nackten Fuß tastete ich nach meinem verlorenen Schuh, hopste minutenlang den Schotterweg entlang, während sich spitze Steinchen direkt in meine weiche rechte Fußsohle bohrten, die eigentlich nur nach dem Schutz weicher, wärmender Socken schrie.

In der Ferne hörte man den idyllischen Klang der Kuhglocken auf der Alm oberhalb des Sees und ich verfluchte mich innerlich für die bescheuerte Idee, mich auf solch ein Abenteuer eingelassen zu haben. Vielleicht war ich aber auch einfach nur irre? So oder so, der Schuh musste gefunden werden. Von mir. Denn meine Freundin  hielt brav mein Händchen, weil sie befürchtete, dass ich – von einem Fuß auf den (unbeschuhten) anderen hopsend und laut juchzend „uuh, uuh, ahh, -das tut so weh“ – das Gleichgewicht verlieren würde.
„Du stellst dich an wie ein kleines Kind“ kicherte sie von rechts. Super, wofür braucht man Feinde, wenn man eine Freundin hat 😉 . Tatsächlich muss die Situation allerdings für sie wirklich recht lustig gewesen sein.

Irgendwann hatte ich den Schuh dann wieder und wir fanden ein geeignetes Plätzchen um unser Stativ aufzustellen. Und dann kam auch mein Moment, denn es gelang mir ohne Probleme, die Kamera ganz flux blind zu bedienen. Ha!!
Nach ca. 6 Probeaufnahmen fanden wir einen einigermaßen passenden Bildausschnitt, denn auch im Kameradisplay sah man nur dunkle Nacht – ohne Sterne, die zeigen sich dort erst nach knapp 30 Sec. Belichtung.

Milchstraße und Sternschnuppe über dem Gosaukamm

 

Verklärt standen wir hinter unserem Stativ, den Blick in den Himmel gerichtet sahen wir Millionen Sterne und kurz hintereinander eine Sternschnuppe nach der anderen fallen. Das alles ohne Licht und ohne Lärm. In dem Moment stellte ich mir die Frage, ob ich hier nicht vielleicht für immer bleiben könnte? Selbst die nächtliche Kälte war vergessen, so schön war es!

Wer jetzt denkt, von da an konnte mich nichts mehr schocken, der irrt gewaltig.

Im Studium wurden meine Ohren jahrelang von Professoren darauf getrimmt, Tonhöhen und Rhythmen zu erkennen, sie wurden sensibilisiert für feinste dynamische und agogische Abweichungen. So war ich denn auch die erste von uns beiden, die bemerkte, dass das Almkuhgebimmel sich irgendwie „anders“ anhörte. Man kennt das, wenn ein Krankenwagen an einem vorbei rauscht – die Tonlage verändert sich, das Signal wird lauter und höher, bzw. tiefer und leiser. Bei einer Kuhglocke ist das ganz ähnlich, so kann ich jetzt aus eigener Erfahrung konstatieren.

„Du sag mal, sind wir eigentlich aufwärts marschiert?“ „Nnnööö, nicht dass ich wüsste“. „Hör mal, findest du nicht auch, dass sich die Glocke irgendwie ziemlich nah .. . .. und indem ich es sagte merkten wir beide, dass uns `jemand´sehr nah war. Wir spürten, dass uns etwas gegenüber stand und atmete, oder besser: aus großen Nüstern schnaubte. Da wussten wir, dass wir gerade mitten in der Nahkampfzone eines Riesenrindviechs standen.
Mein Puls stieg besorgniserregend! Mein Herz pochte bis zum Hals und vor meinem inneren Auge spielte sich ein Hitchcock ab: all meine Unfälle mit kleinen und etwas größeren Haustieren zogen innerhalb von Sekunden wie ein Albtraum durch meinen Kopf: wer bekommt von der liebsten Katze ever eine genuscht? Wer  wird vom niedlichen Pony in den Allerwertesten getreten? Wem läuft ein halbstarker durchgedrehter Boxer von hinten in die Kniekehlen? Und wer zieht sich beim Füttern eines süßen Mininagers blutige Fingerkuppen zu? Jep, – richtig geraten…..

Was würde nun gleich wohl passieren? Auge in Auge mit einem 500 kg – Koloss?  Apokalypse. Pur!

Instinktiv krallte sich Steffi das Stativ, griff nach meiner Hand und zog mich mit sich, in die Richtung, aus der wir gekommen waren. Hinter uns immer das Kuhglockengebimmel, was leider nicht leiser, dafür aber in seiner „Bimmelfrequenz“ schneller wurde; etwa so, wie unsere eigenen Schritte. So muss es den Männern bei der Stierhatz von Pamplona gehen! Der Adrenalinschub lässt dich einfach nur rennen und rennen und rennen und rennen und  ……. irgendwann konnte ich nicht mehr. Wir quetschten uns an eine Felswand und hielten die Luft an. Bloß jetzt nicht atmen! Nicht atmen, denn das Herz klopft schon so laut, dass sicherlich gleich eine große Gerölllawine abgehen- und uns mit hinabreißen wird, in den tiefen, kalten See. Ich stand in der Felswand und betete vor mich hin: bitte, bitte, lass sie weiter laufen, lass sie bitte bitte weiter laufen!!

Sie lief an uns vorbei! Im Zeitlupentempo stampfte sie langsam und behäbig an uns vorüber. Und die Erde bebte, als zöge gerade ein Tyrannosaurus Rex in die dunkle Nacht……
Ich glaube, wir standen beide noch mindestens 10 Minuten so da. In einer Art Schockstarre, verstummt und festgewachsen an dieser Felswand, bis Steffi irgendwann leise flüsterte „ich glaube……, sie ist weg“.

Und die Moral von der Geschicht: Almvieh mag Fotografinnen nicht! Zugegeben, das ist vielleicht etwas weit hergeholt, aber mein persönliches Fazit: am Gosausee ist und bleibt es aufregend!

Alles Liebe
eure Christiane

 

Milchstraße und Sternschnuppe am Gosausee

 

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