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Salzburg – „Rom des Nordens“

Es gibt Städte, die sind so geschichtsträchtig, kulturgefüllt und dabei so malerisch, dass man hoffnungsfroh an jeder Ecke stehen bleibt, in der Annahme, gleich käme vielleicht eine Pferdekutsche um die Ecke, oder man könnte Zeuge von Rolando Villazón´s vorkonzertlichen Einsingübungen werden.
Dass Salzburg solch ein Ort ist, ist absolut kein Geheimnis und das bedeutet auch, dass man ganz sicher nie allein dort herum laufen wird.

Insgesamt verbrachten wir während unseres Österreichurlaubs vier ganze Tage in Salzburg; vom Traunsee aus ist die Stadt gut und relativ schnell zu erreichen.

Salzburg wird durch die Salzach in die Alt- und die Neustadt geteilt. Wir starteten unsere Besuche meist in der Altstadt, von der Felsengarage im Mönchsberg aus und unser Weg führte uns als erstes vorbei an den Festspielhäusern. Lange Jahre schon waren wir nicht mehr in den Sommermonaten dort und so konnten wir heuer Zeugen des allabendlichen Festspieltreibens werden. Die besonderen Roben und Schmuckstücke vieler Damen waren so sehenswert, dass ich einige davon hier wirklich gerne gezeigt hätte. Aber ein tolles Kleid ohne Gesicht hat ungefähr soviel Charme wie eine seelenlose Schaufensterpuppe aus Plastik;  auf jeden Fall sorgten sie für manch skurilen Farbkleks in der Altstadtnacht.

Kindheitsträume

Als Kind habe ich meine Familie oft damit genervt, dass ich, wenn ich einmal groß bin, in Salzburg leben wollte. Ich würde Stadtführungen anbieten und allen Menschen meine Lieblingsplätze zeigen, mit ihnen die schönsten Konzerte und die besten Gasthöfe besuchen, dabei viele Schmankerl über das Leben des Wunderkindes erzählen und in meiner Freizeit in einer der angesehendsten Konditoreien aushelfen, um dem Geheimnis der Rezeptur der besten Mozartkugel von allen auf die Spur zu kommen.
Und fast wäre mein Traum in Erfüllung gegangen – zumindest, was Salzburg als Wohnort betrifft – denn nach der Schule wäre mir ein Studium am Mozarteum möglich gewesen.
Das Schicksal wollte es anders!

 

In den vielen Jahren, in denen ich diese Stadt immer wieder regelmäßig besuche, haben sich viele Wissenwertigkeiten angesammelt, mit denen ich hier zwar niemanden langweilen möchte (denn der Beitrag soll nicht zum Reiseführer mutieren), aber einiges streue ich dennoch gerne ein. Wer weiß, auf welcher Party man damit vielleicht demnächst als Oberexperte glänzen kann… 😉

Ein „Rom des Nordens“ wollte sich Erzbischof Wolf Dietrich von Reichenau schaffen, ein Salzburg mit vielen freien Plätzen. Da aber der Bereich zwischen Festung und Mönchsberg dicht bebaut war, ließ er kurzerhand knapp 60 Häuser abreißen,  um die freien Plätze zu schaffen, die das heutige Bild der Altstadt prägen. Leider konnte ich  nicht alle diese wunderschönen Plätze fotografieren, da sich auf dem Kapitelplatz viele Partyzelte befanden, die den Blick versperrten und auf dem Domplatz die Besuchertribünen für den „Jedermann“ aufgestellt waren, die auf einem Foto wirklich nicht besonders reizvoll anmuten.

Alter Markt mit Florianbrunnen

 

Residenzbrunnen auf dem Residenzplatz

 

Kennen´s  die Getreidegasse?

Salzburg Getreidegasse

 

Sie ist der liebenswerte Mittelpunkt der Altstadt und war früher eine bedeutende Handelsstraße. Ihr Charme ist nicht zu übersehen: schmale, sich aneinanderschmiegende Häuser in unterschiedlichen Pastellfarben, romatische Innenhöfe und Geschäftchen, die man schon von Weitem an ihrer schmiedeeisernen Werbung erkennt. Hier sind die Läden und Restaurants zwar ganz eindeutig auf Tourismus ausgelegt, aber davon sollte man sich nicht abhalten lassen, denn es gibt viel zu sehen und zu entdecken.

 

 


 
 

Die vielen kunstvollen, bunten Zunftzeichen, die aus einer Zeit stammen, als noch nicht jeder lesen konnte, lenkten meinen Blick immer wieder nach oben. Diese schmiedeeiserne Tradition, an der seit Jahrhunderten festgehalten wird, macht Salzburg wohl zur einzigen Stadt weltweit, in der das gelbe „M“ einer großen amerikanischen Fastfoodkette nicht neonbeleuchtet ist.

„Durchhaus“ in der Getreidegasse

 

Turm der Kollegienkirche

 

Obwohl Wolgang Amadeus Mozart höchstpersönlich sagte, dass ihm „an Salzburg sehr wenig und am Erzbischof gar nichts gelegen“ sei und er „auf beides scheiße“ (O-Ton) erfreut man sich in dieser Stadt ungebrochener touristischer Wunderkind-Begeisterung. Ohne die goldenen Buchstaben an der Häuserfront würde man wahrscheinlich am Haus vorbei laufen, doch die Tatsache, dass täglich tausendfach das gleiche Selfie vor dem gelben Altstadthaus gemacht wird, sowie die große Touristentraube vor ebendiesem, geben einem immer die Sicherheit, an der richtigen Adresse zu sein:

Das wohl bekannteste Haus in der Getreidegasse ist das Haus mit der Nummer 9!

Mozarts Geburtshaus

 

Amadeus im Sale

 

 

Ansonsten gibt es unglaublich viele Mozart-Devotionalien zu erstehen! Manche sind an Geschmacklosigkeit nicht zu überbieten, aaaaber, man braucht ja ein Andenken 😉 Ich gestehe, ich selber habe mich tatsächlich in diesem Jahr dazu hinreißen lassen, mir eine witzige Mozartbadequietscheente für die heimatliche Badewanne mitzunehmen.
Wer jedoch lieber ein Souvenir jenseits des Kitschs kaufen möchte, ist in der Mayrischen Musikalienhandlung, in der schon Familie Mozart kaufte, goldrichtig. Mit einer Mozart-Partitur ersteht man immer etwas sinnvolles.

 

 

Mirabellgarten

Ein Spaziergang von der barocken Altstadt über die Salzachbrücke führt in die Salzburger Neustadt zum Schloss Mirabell. Das Schloss wurde vom Fürstbischof Dietrich für „Mira belle“,  „Meine Schöne“, also seine Salome erbaut. Grandios und ein Fotomotiv, was millionenfach in den Fotobüchern der Welt vorhanden sein wird, ist der Blick von der hinteren Treppe des Gartens aus, in der Blickachse der Dom und die Festung Hohensalzburg zu erkennen.

Mirabellgarten

 

Die Romantik dieser barocken Gartenanlage ist nicht zu übertreffen. Man meint, hier sei die Zeit stehen geblieben und ich freue mich immer auf einen Besuch dort. Elemente, wie der Pegasusbrunnen, die „große Fontäne“, die bei Nacht bunt beleuchtet ist und der Zwergengarten lassen selbst den nüchternsten Realisten zum Romantiker werden.


Schloss Mirabell

 

„Große Fontäne“ bei Nacht

 

Das letzte Bild verrät bereits, dass wir uns im Schloßgarten und danach in der Neustadt sehr lang aufgehalten haben, denn dort gibt es einige hippere Lokale, die man kennenlernen möchte, wenn man sich an Alpenländischem sattgegessen hat und endlich mal wieder Ziep auf gesund, vegetarisch oder sogar vegan hat. Ein Geheimtipp wäre hier das „Green Garden“ und ja, diese Empfehlung schreibe ich freiwillig und unser Essen haben wir auch aus eigener Tasche bezahlt 😉

Zurück auf dem Weg in die Altstadt mussten wir unbedingt noch einige traumhaft schöne Motive festhalten, die im Dunkeln angeleuchtet einfach ganz besonders strahlen.

Blick auf den Mönchsberg und das „Museum der Moderne“

 

Wieder in der Altstadt angekommen konnten wir bei immernoch hochsommerlichen 27 Grad mit vielen anderen Musikbegeisterten die Aufführung im großen Festspielhaus über eine große Live-View-Leinwand auf dem Kapitelplatz miterleben. Ein Erlebnis, was mich nachhaltig beeindruckt hat und wirklich einmalig schön war!

Live-View auf dem Kapitelplatz

 

 

Heute denke ich, meine Seele hat in dieser Stadt noch etwas nachzuholen, denn kaum in der deutschen Heimat angekommen, habe ich schon wieder diese unglaubliche Sehnsucht dorthin.
Ich liebe die barocke Architektur und die Geschichte, die man dort inhalieren kann. In den kleinen historischen Gassen bleibe ich gerne mal stehen und denke darüber nach, wer wohl schon an genau der Stelle, an der ich gerade bin, stand, welche Geschichte diese Menschen hatten und was sie wohl gefühlt haben mögen?
Ich werde sie wieder besuchen diese liebenswerte Stadt – wahrscheinlich schon sehr bald……

Heute verabschiede ich mich mit ein paar Fotos vom Mönchsberg aus gemacht.

Alles Liebe
eure Christiane

viel los vorm Festspielhaus

 

Salzburg, Neustadt bei Nacht

 

Salzburg

 

4 Comments

  • Reply
    Kai
    Oktober 30, 2018 at 19:22

    Ja, das ist eine tolle Stadt.
    Ich hatte die Ehre, vor vielen Jahren in Salzburg eine Modeboutique zu designen. Und dann habe ich mich so sehr an den Außenwerbungen gefreut, die so filigran gestaltet sind. Selbst Mc Donald musste seine Werbung an die Salzburger Vorgaben anpassen. Denn die Vorgaben dazu sind streng. DA könnten die Städte viel von lernen.
    Ach ja, eingeladen war ich zum Essen im teuersten Hotel der Stadt und das war wirklich teuer. Auch so teure Pralinen wie dort habe ich noch nirgend anders gegessen. Aber für den Preis bekommt man auch einen Stil, der seinesgleichen sucht.
    Salzburg ist einfach eine einzigartige Stadt, in die man sich nur verlieben kann.

  • Reply
    REGINE
    September 14, 2018 at 23:04

    Nun habei ich Fernweh.
    Würde am liebsten sofort meine Koffer packen und los fahren. So schöne Bilder, vor allem die Nachtaufnahmen.
    LG
    Regine

    • Reply
      Christiane Pesendorfer
      September 15, 2018 at 8:53

      Solchen Impulsen sollte man manchmal vielleicht einfach nachgeben 🙂

      Liebe Grüße
      Christiane

  • Reply
    Karlotta
    September 11, 2018 at 22:46

    Herzensstadt ❤
    wunderschöne Bilder!

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