Augenblicke Emotionen Tier-lichkeiten

Glück ist . . . Joana mit Holly & Amy ❣

Meine persönliche Pferde-Ader verkümmerte im Alter von acht oder neun Jahren. Ich hatte bis dahin bereits zweimal Erfahrungen der besonderen Art mit diesen wunderschönen Tieren gemacht. Nicht, weil diese mich nicht mochten, oder etwa ich sie nicht – ganz im Gegenteil. Als Kind klaute ich Äpfel und Möhren aus dem Gemüsefach meiner Oma, um sie bei den Spaziergängen mit unserem Hund an die Ponys auf einer nahegelegenen Koppel zu verfüttern. Aber mein Körper wehrte sich mit heftigen allergischen Reaktionen, sobald ich Pferden zu nahe kam. Beim Besuch der spanischen Hofreitschule zum Beispiel bekam ich einen ausgewachsenen Asthmaanfall, der mir einen kurzen Aufenthalt im Wiener Spital bescherte.
Nichts desto trotz schaue ich mir die Tiere nach wie vor gerne an und bewundere diejenigen, die ihre komplette Freizeit mit den stattlichen Tieren verbringen.

Joana & Holly

Joana, zum Beispiel, lebt für ihre Tiere. Sie ist ein ausgesprochener Pferde – und Hundemensch (die Liste ließe sich an dieser Stelle evtl. noch um Katzen, Elefanten, Warane und einiges mehr ergänzen, denn wenn sie von ihren Urlauben erzählt, wird schnell klar, dass sie die Artenvielfalt, die ihr dort begegnet, immer wieder gerne mit nach Hause bringen würde 😉 ).

Holly ist Joanas erstes Pferd. Sie ist heute 12 Jahre und hat mit 2 Jahren in Joana ihre Besitzerin gefunden.

Wenn man nun bedenkt, dass Holly erst durch sie zu dem Pferd geworden ist, was sie heute ist – über die ersten Schritte der Jungpferdeausbildung (die erste Arbeit an der Longe, die Gewöhnung an Sattel und Trense, das erste Anreiten, aufsteigen und losreiten, inklusive alles Wissen, was ein Pferdeausbilder über das Tier, Fütterung, Gesundheit, Haltung…. wissen sollte), bis hin zu einem eingespielten Mensch- Pferd – Team, das in diesem Jahr die Qualifikation für die Deutsche Meisterschaft im Trail und Horse Dog Trail (zusammen mit Amy) erreicht hat – dann kann man sich vorstellen, wie viel Arbeit, Zeit, Einfühlsamkeit , Liebe und Geduld dort aufgebracht wurde. Seit 2011 reiten die beiden Turniere, haben ganz unten angefangen und sich langsam bis zur höchsten Leistungsklasse der ersten Westernreiter Union hochgearbeitet.

Sei ein sicherer Ort für dein Pferd

Was für eine Bindung dann zwischen Mensch und Tier entsteht, durften wir (Steffi hat natürlich auch fotografiert) an dem Nachmittag selbst erleben. Wir konnten spüren, wie wichtig es ist, den Tieren zuzuhören, zu lernen, sie zu verstehen. Dann schenken sie einem ganz besondere Momente und ein Vertrauen, das unbezahlbar ist.

Wenn das Tier aber durch eine Erkrankung des Bewegungsapparates, Schmerzen und Sich- nicht- bewegen- dürfen/ können, leidet, dann kann für den Besitzer schonmal eine Welt zusammenbrechen. Dabei spielt dann die Teilnahme an Turnieren eine verdammt untergeordnete Rolle. Mit anzusehen, wie das eigene Tier immer unzufriedener wird, weil es nicht, wie gewohnt, geistig und körperlich gefordert werden kann und gleichzeitig die Sorge darum, ob es überhaupt jemals wieder möglich sein würde, zusammen mit Holly in gewohnter Weise weiter zu trainieren, stellten das Glück in den letzten Wochen auf eine besondere Belastungsprobe.

Gott sei Dank hat sich alles zum Guten gewendet und wir hatten die Freude, genau zu diesem Zeitpunkt diese Fotos machen zu können. Dabei sprangen uns Emotionen und Glück nur so vor die Linse.

Auge an Auge

Und dann kam Amy……

Amy ist die dritte im Bunde und macht das Mensch – Pferd – Hund -Gespann komplett. An unserem Fotonachmittag bemerkten wir Amy zunächst gar nicht. Genügsam beschäftigte sie sich auf der Wiese mit den Mäuselöchern oder genoss die warme Abendsonne, während sich alles um Holly drehte. Doch dann war auch Amys Zeit gekommen. Irgendwann schnappte sie sich Holly´s Führleine und …..

Sie kam……

….sah

…….. und siegte!

Was ich an diesem Nachmittag gelernt habe

Voller Elan schraubte ich zu Beginn des Shootings meine „Sahnelinse“, das Fujinon XF 23mm vor meine XT2 und die ersten Fotos der anmutigen Holly verwandelten sie in ein nilpferd – bzw. – giraffenähnliches Wesen!

Vorbereitung ist alles?

Zugegeben, wir haben uns auf den Nachmittag herzlich wenig vorbereitet. Natürlich war der Kamerasensor staubfrei, die Objektive sauber, die Akkus voll und wir hatten auch reichlich Speicherkarten dabei. Aber wir haben uns eben auch darauf verlassen, dass wir Hunde und Menschen nicht das erste Mal fotografieren; und Pferde……? Wird schon klappen!

Schnell wurde uns klar, dass unsere Makroobjektive den recht lang gezogenen Pferdekörper harmonischer aussehen lassen und Holly durch den optischen Effekt sehr viel eleganter wirkt als mit einem Weitwinkel fotografiert. Unsere längste Brennweite ist das Fujinon XF 90mm und es kam, zusammen mit dem 60mm an diesem Nachmittag ausschließlich zum Einsatz. Die Lichtstärke von Blende 2.0 (90mm) und 2.4 (60mm) war natürlich nützlich. Sie half dabei, unsere Models vor einem unscharfen Hintergrund freizustellen und erzeugte teilweise ein schönes Bokeh. Außerdem waren beide Objektive schnell im Fokus – auch nicht schlecht.

ein perfektes Team: Holly, Joana & Amy

Als Ort wählten wir eine Wiese, auf der man genügend Spielraum hatte, sich zu bewegen und nicht allzuweit vom Motiv entfernt stand. Gleichzeitig bot eine angrenzende Koppel einen schönen Hintergrund. Die Wiese hatte außerdem schattige, wie sonnige Plätze und je nachdem, wie man zum Motiv stand, waren auch schöne Gegenlichtmomente möglich.

Zeckenalarm

Inszeniert oder stiller Beobachter?

Joana versuchte natürlich darauf zu achten, dass ihr Pferd sich optimal präsentierte. Aber einiges konnte sie eben auch nicht beeinflussen. Es gibt nun mal keinen Befehl, wie „Ohren nach vorn“ oder „wacher Blick“. Sie versuchte anfangs, schöne Momente zu erzielen, was einerseits ihr Pferd gut aussehen ließ, aber gleichzeitig ihre Anspannung zeigte.
Also haben wir uns ganz schnell für den „stillen Beobachter“ entschieden. Dabei habe ich mich immer schon am wohlsten gefühlt. Abwarten, die Zeit genießen und im richtigen Moment auf den Auslöser drücken. Der Vorteil: man setzt sich und seine Models nicht unter Druck und kann eine Beziehung zu seinem Motiv aufbauen. Das bedeutet gleichzeitig auch, flexibel zu bleiben, quer über die Wiese zu rennen. Sich bewegen, bevor das Pferd sich bewegt und sich überraschen zu lassen, was das Pferd tut. Gegen Ende des Shootings, als das Licht am schönsten wurde, passierte ein kleines Wunder. Es war, als hätte Holly genau gewußt, wie sie sich am besten präsentiert. Zusammen mit dem guten Licht ein kleines Wunder, denn diese Momente sind nicht planbar.

Mein schönster Moment

Die Erkenntnis, worin das Geheimnis der Pferde liegt!
Es ist die pure Kraft, die Eleganz, der unglaublich sanftmütige Geist und die Tiefe des Blicks, die sie für mich mit zu den prächtigsten Lebewesen dieser Erde werden lässt!

Alles Liebe
eure Christiane

just Holly

4 Comments

  • Reply
    Kai
    September 11, 2019 at 19:25

    Das sind wirklich berührende Aufnahmen. Ich habe mich schon hin und wieder an Pferden versucht, aber die Verbindung der Reiterin zu ihrem Pferd passte so gar nicht und entsprechend habe ich die Aufnahmen entsorgt. Zudem sollte es auch husch husch gehen, das funktioniert ebenso wenig.
    Diese Aufnahmen hier zeigen aber genau diese Stimmigkeit Mensch-Tier. Und Amy sieht genauso aus wie meiner, doch ich glaube, seine Tage sind gezählt….
    Liebe Grüße und schön, dass Du wieder zurück bist.
    Kai

    • Reply
      Christiane Pesendorfer
      September 12, 2019 at 7:14

      Lieber Kai,
      ich wünsche dir noch viele viele schöne Tage mit Deinem „Tatzentier, Blondvieh, Samtmaul….“, wie du ihn so liebevoll nennst. Es ist nicht fair, dass wir sie nur so kurz bei uns haben.

      Liebe Grüße
      Christiane

  • Reply
    Juliette
    September 6, 2019 at 9:53

    Die schwarzweißen gefallen mir besonders gut. Was für ein schönes Tier!
    Ich werde mich in den Herbstferien um die Ponys meiner Freundin kümmern und mich dort das erste Mal mit Pferdefotografie versuchen. Bin schon sehr gespannt……
    Lg,
    Julie

    • Reply
      Christiane Pesendorfer
      September 6, 2019 at 10:01

      Hallo Juliette,

      Ich wünsche viel Erfolg und gutes Licht 🙂

      Liebe Grüße
      Christiane

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