Besinnlichkeiten Emotionen Ewigkeit

Gedanken in seltsamen Zeiten

Heute wäre unser Jahreskonzert der Musikschule gewesen. Ein besonderes Datum: Minden gedenkt der Bombenangriffe vor 75 Jahren, der Zerstörung des Doms und der Befreiung durch das Kriegsende. So hätte unser Musikschulkonzert heute unter dem Titel „Frieden und Freiheit“ gestanden.
Wegen der aktuellen Coronakrise wurde es natürlich abgesagt.

Heute morgen telefonierte ich mit meiner Tante.
Es gab zuvor eine Gedankenkette, nachdem meine Kollegin mir beiläufig schrieb, sie wolle jetzt zum Wochenmarkt. Wochenmarkt…… den gibt es hier in diesem Stadtteil Porta Westfalicas gar nicht. Aber ich erinnere mich, dass ich früher jahrelang jeden Samstag mit meiner Tante zum Wochenmarkt in Minden marschiert bin.


Meine Tante erinnerte sich natürlich auch sofort daran und das war nicht das Einzige: „heute vor genau 75 Jahren wurde meine kleine Schwester beerdigt. An dem Tag war das Wetter genauso schön wie heute, strahlender Sonnenschein. Sie hatte zuvor vier Wochen über der Erde gestanden, da es keine Kindersärge gab. An diesem Tag vor 75 Jahren war es endlich soweit und meine Mutter machte sich mit uns drei Geschwistern auf den Weg zum Nordfriedhof …..
Danach sind wir sofort mit der Straßenbahn zum Bunker auf der Böhlhorst in Häverstädt gefahren. Als wir den Bunker am Abend verließen, sahen wir von der Böhlhorster Anhöhe, dass Minden in Flammen stand. Das hat sich in meine Erinnerung gebrannt.“

Es gab eine kurze Stille. „Weißt du, eigentlich ist es kein Wunder, dass so jemand wie ich, nach all diesen Erlebnissen und Erfahrungen damals, dann heute plötzlich Panik bekommt, weil man z.b. momentan kaum noch Toilettenpapier, Mehl und Nudeln bekommt. Das erinnert an Kriegszeiten“.

Nach diesem Telefonat fragte ich mich, wie die Menschen damals dieses Elend ertragen konnten, ohne daran zu zerbrechen? Der folgende Text hält eine mögliche Antwort bereit.

Albert Einstein über die Liebe – Brief an seine Tochter Lieserl

„Als ich die Relativitätstheorie vorschlug, verstanden mich nur sehr wenige Menschen und was ich Dir jetzt schreibe, wird ebenso auf Missverständnisse und Vorurteile in der Welt stoßen.

Ich bitte Dich dennoch, dass Du dies, die ganze Zeit die notwendig ist, beschützt. Jahre, Jahrzehnte, bis die Gesellschaft fortgeschritten genug ist, um das, was ich Dir hier erklären werde, zu akzeptieren.

Es gibt eine extrem starke Kraft, für die die Wissenschaft bisher noch keine Formel gefunden hat. Es ist eine Kraft, die alle anderen beinhaltet, sie regelt und die sogar hinter jedem Phänomen steckt, das im Universum tätig ist und noch nicht von uns identifiziert wurde. Diese universelle Kraft ist LIEBE.

Wenn die Wissenschaftler nach einer einheitlichen Theorie des Universums suchten, vergaßen sie bisher diese unsichtbare und mächtigste aller Kräfte.

Liebe ist Licht, da sie denjenigen erleuchtet, der sie aussendet und empfängt. Liebe ist Schwerkraft, weil sie einige Leute dazu bringt, sich zu anderen hingezogen zu fühlen. Liebe ist Macht, weil sie das Beste, das wir haben, vermehrt und nicht zulässt, dass die Menschheit durch ihren blinden Egoismus ausgelöscht wird. Liebe zeigt und offenbart. Durch die Liebe lebt und stirbt man. Liebe ist Gott und Gott ist die Liebe.

Diese Kraft erklärt alles und gibt dem Leben einen SINN. Dies ist die Variable, die wir zu lange ignoriert haben, vielleicht, weil wir vor der Liebe Angst haben. Sie ist schließlich die einzige Macht im Universum, die der Mensch nicht nach seinem Willen steuern kann. Um die Liebe sichtbar zu machen, habe ich eine meiner berühmtesten Gleichungen genutzt. Wenn wir anstelle von E = mc2 die Energie akzeptieren, um die Welt durch Liebe zu heilen, kann man durch die Liebe multipliziert mal Lichtgeschwindigkeit hoch Quadrat zu dem Schluss kommen, dass die Liebe die mächtigste Kraft ist, die es gibt. Denn sie hat keine Grenzen.

…Nach dem Scheitern der Menschheit in der Nutzung und Kontrolle über die anderen Kräfte des Universums, die sich gegen uns gestellt haben, ist es unerlässlich, dass wir uns von einer anderen Art von Energie ernähren. Wenn wir wollen, dass unsere Art überleben soll, wenn wir einen Sinn im Leben finden wollen, wenn wir die Welt und alle fühlenden Wesen, das sie bewohnen, retten wollen, ist die Liebe die einzige und die letzte Antwort.

Vielleicht sind wir noch nicht bereit, eine Bombe der Liebe zu bauen, ein Artefakt, das mächtig genug ist, allen Hass, Selbstsucht und Gier, die den Planeten plagen, zu zerstören. Allerdings trägt jeder Einzelne in sich einen kleinen, aber leistungsstarken Generator der Liebe, dessen Energie darauf wartet, befreit zu werden.

Wenn wir lernen, liebe Lieserl, diese universelle Energie, zu geben und zu empfangen, werden wir herausfinden, dass die Liebe alles überwindet, alles transzendiert und alles kann, denn die Liebe ist die Quintessenz des Lebens.

…Ich bedauere zutiefst, nicht in der Lage gewesen zu sein, das auszudrücken, was mein Herz enthält: mein ganzes Leben hat es leise für Dich geschlagen. Vielleicht ist es nun zu spät, mich zu entschuldigen, aber da die Zeit relativ ist, muss ich Dir wenigstens jetzt sagen, dass ich Dich liebe und dass ich durch Dich zur letzten Antwort gekommen bin.

Dein Vater, Albert Einstein ”

Innehalten

Die ganze Welt legt gerade eine Vollbremsung hin.
Wenn die Menschheit eine Pause macht, setzt die Umweltverschmutzung aus. Die trüben Wasser von Venedig färben sich wieder klar, in Sizilien trauen sich wieder Delfine ins Hafenbecken.
Ich gebe zu, auf diese kollektive Entschleunigung habe ich schon einige Zeit gewartet. Schon lange bin ich damit beschäftigt, Ruhe in mein Leben zu bekommen. Dinge bewusst zu erledigen, möglichst ohne Stress. Leider jedoch nicht sehr erfolgreich, denn es ist wahnsinnig schwer gegen einen (schnellen) Strom zu schwimmen und dabei zu entschleunigen. Man wird immer mitgerissen……

Was passiert in meinem direkten Umfeld?

Viele meiner freiberuflichen Musikerkollegen sind hart getroffen.
Online-Unterrichtsangebote per WhatsApp, Skype, Zoom…. schießen aus dem Boden. Viele handeln aus der Not heraus. Es muss eine schnelle Lösung gefunden werden. Die wenigsten Künstler haben finanzielle Rücklagen. Jeder macht sich bemerkbar, alle tönen gleichzeitig.
Ich schließe mich dem an, schwimme mit dem Strom und möchte andererseits so gerne innehalten und jetzt die Chance nutzen.

Wie gut täte nun ein wenig Stille, ein `Warte, Halt, wo willst du denn so schnell hin?´
Im Unterricht erlebe ich immer wieder, dass Ungewissheit, oder besser das `Dem -Nicht-Wissen Raum geben´ sowie `die Stille aushalten´ ganz neue Kreativität weckt und der Schlüssel zu etwas ganz Großartigem sein kann.

Die Welt ist gerade zum Stillstand gezwungen und jeder hat jetzt die Möglichkeit zu überdenken, wohin wir unterwegs sind und in welchem Tempo wir diesen Weg gehen wollen.

Nutzen wir diese Zeit – jetzt!

Ich mache mich nun auf den Weg und versuche ein paar wichtige Dinge für meine Tante zu ergattern (einschließlich Toilettenpapier 😉 )

Passt alle gut auf euch auf!

Eure Christiane


4 Comments

  • Reply
    Kai
    März 30, 2020 at 13:12

    Liebe Christiane,
    ja, es sind besondere Zeiten. Es ist eine Zeit, die ich eher als Chance denn als Bedrohung sehe, wenngleich ich natürlich auch Sorge um die Gesundheit meines realen und virtuellen Umfeldes habe.

    Aber unsere Gesellschaft erinnert mich in den letzten Jahren an eine Zecke. Die Umwelt einschließlich ihrer Menschen werden ausgesaugt von Gier. Alles muss größer, schneller, weiter werden. Wir sprechen vom Konsumgüterindex, in meinen Augen einer der Perversionen unseres Alltags. Wir sprechen von Wirtschaftskrise, wenn es kein Wachstum gibt, wir sprechen von Ankurbelung der Binnennachfrage.

    Das kann man herunter brechen bis ins persönliche Verhalten, bis in die heutigen Bedürfnisse nach der immer perfekteren Kamera.

    Nur glücklicher macht uns all das nicht. Nur rastloser. Und anfälliger. Jetzt gabs eine Vollbremsung mit Ansage. Ein längst überfälliger Schritt. Auf einmal müssen wir wieder zur Besinnung kommen, um uns auf das Jetzt einzustellen.

    Wenn wir klug sind, gehen wir einen Schritt zurück nehmen wieder den Moment wahr. Ich fühle mich erinnert, als ich in Minden wohnte und Samstag mittags die Geschäfte schlossen. Dann gabs einen Schaufensterbummel und man konnte sich bis auf die folgende Woche überlegen, ob man das, was einem da gefiel, wirklich haben wollte. Es gab Zeit, zu schauen, zu genießen. Heute sind wir nur noch Getriebene.

    Wollen wir uns weiter treiben lassen? Wenn wir heute Klopapier vermissen, zeigt das doch eigentlich, wie satt und gelangweilt wir sind.

    Liebe Grüße
    Kai

    p.s.
    mir ist Dietrich Bonnhöfer eingefallen mit „von guten Mächten wunderbar geborgen…“

    • Reply
      Christiane Pesendorfer
      März 31, 2020 at 10:16

      Lieber Kai,

      Du sprichst mir aus dem Herzen!
      Es bringt nichts, auf Veränderungen zu warten. Wir selbst müssen die Veränderung sein!

      Liebe Grüße
      Christiane

  • Reply
    Ilona
    März 28, 2020 at 23:29

    Ich kann dir nur zustimmen! Bei einem Spaziergang durfte ich einem Star sehr nah kommen und ein Zaunkönig hat ebenfalls große Nähe zugelassen. Das sind Erfahrungen, die mir viel geben. Bei allen Befürchtungen was passieren könnte ……., wir haben alle die Chance das Beste daraus zu machen.

    • Reply
      Christiane Pesendorfer
      März 29, 2020 at 1:35

      Liebe Ilona,

      wenn jemand beurteilen kann, was Zwangspause bedeutet, wie schwer es ist, sie zu akzeptieren und wie heilsam solch eine Zeit zugleich sein kann, dann sind wir es, -bist du es!
      Danke für deine Worte und ganz liebe Grüße
      Christiane

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