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Zeit für Rosen

„Fotografieren bedeutet, den Kopf, das Auge und das Herz auf die gleiche Visierlinie zu bringen. Es ist eine Art zu leben“.

Henri Cartier-Bresson

Gilt das nicht genauso für das Schreiben?
Neulich habe ich mal irgendwo gelesen, dass schreiben wie fotografieren mit den Gedanken ist, dass fotografieren wie schreiben mit den Augen ist. Stimmt, dachte ich mir. Fotos können – ganz ohne Worte – bestenfalls ihre eigene Geschichte erzählen und umgekehrt zaubern Erzählungen Bilder in den Kopf.

Ich mag es für mich selber nicht, wenn ich meine Bilder auf diesem Blog für sich allein sprechen lasse; mein Blog lebt auch von den Texten.
Schaue ich mir Fotos an, frage ich mich oft, was es wohl für eine Geschichte dazu gibt. Was hat der Fotograf sich gedacht, wo ist das Bild entstanden, welche Gefühle gehörten dazu….?

Jardin sous la plui

In den letzten Wochen fehlte mir die Kreativität. Der Kopf war voll und gleichzeitig leer. Voll mit Aufgaben, die zu erledigen waren und voller Gedanken und Ideen, die ich aber nicht nierderschreiben konnte. Einige Male habe ich einen Anlauf unternommen, hier mal wieder etwas zu schreiben, denn an Fotos fehlte es nicht. Dann las ich immer und immer wieder, was ich da geschrieben hatte und wusste am Ende gar nicht mehr, was ich eigentlich sagen wollte.
Es war Zeit für eine Pause, denn ich wollte hier nichts „abarbeiten“. Die Beiträge waren immer eine Herzensangelegenheit und so sollte es auch bleiben.

Unser Garten- ein Refugium der Ruhe

Die Rhododendren werden gegen Zikaden gespritzt, die Rosen gegen Mehltau und Sternrußtau, die Blätter nach Läusen abgesucht; Wühlmäuse und Maulwurf werden bekämpft, der Rasen mit dem Mähroboter in Form gebracht und jedes Kräutlein weggerupft- der Garten, ein Kriegsschauplatz?

Wie haltet ihr es mit eurem Garten? Unseren Garten würde ich als natürliche Schönheit bezeichnen 😉 . Er IST schön! Für mich und für alle, die den Blick dafür haben. Er ist einerseits geordnet und es dürfen viele schöne Pflanzen darin wachsen. Andererseits wird nicht alles bekämpft, was darin lebt oder wachsen möchte. Blattläuse dürfen bleiben, denn sie fördern Lebewesen, die von ihnen leben, z.B. die Ameisen, die dann im Winter wieder den wunderschönen Grünspecht anlocken, der sie aus dem Rasen pickt und ihn damit gleichtzeitig belüftet.

Unser Garten ist für mich zu einem Rückzugsort geworden. Ich kann nachdenken, wenn ich darin arbeite. Er ist ein Ort, der aus dem Alltag, aus dem Trubel führt. Während die Hände beschäftigt sind, entstehen Gedanken, Ideen, Lösungen und auf jeden Fall Ruhe.
Er ist aber auch ein Ort der Freude und der Begegnung. Unsere Hunde dürfen sich darin frei bewegen (was bisher macher Pflanze zum Verhängnis wurde, gleichzeitig aber den Maulwurf und die Wühlmäuse vertreibt, denn die mögen das Pfötchengetrappel gar nicht). Im Garten wird gespielt, getobt, gefeiert und gelacht.

Gerade in den letzten Wochen haben wir gemerkt, was für eine große Bereicherung der Garten für uns war. Er tat uns schon immer gut, aber in der vergangenen Zeit, in denen der eigene Kosmos auf ein Minimum zusammenschrumpfte, schenkte uns der Garten die Möglichkeit, diesen – auch emotional- wieder ein wenig zu erweitern.

Rosenliebe

Rosarium Uetersen, Rosenkaskade

Seit ich Märchen kenne, liebe ich Rosen! Die Schöne und das Biest, Rosenresli, Schneewittchen, Schneeweißchen und Rosenrot, Dornröschen….. Lieblingsmärchen, die ich auch heute noch gern lese (schaue), nicht zuletzt, weil sich alles um das Geheimnis der Rosen dreht.
Wen wundert es da, dass von Jahr zu Jahr mehr Rosen ihren Platz in unserem Garten finden. Ob die wildromantischen Hecken, die so hoch werden, dass sie sogar ein Schloss verbergen könnten, Strauchrosen, Beetrosen, Bodendecker, Rosenkaskaden oder Stämmchen, ich liebe sie alle! Einzig Edelrosen sind nicht so meins; sie sind mir zu „divenhaft“ und kompliziert.

Die Seele der Rose ist ihr Duft

Ein süßer Duft liegt in der Luft. Leider kann ich ihn hier nicht weiter geben, also möchte ich versuchen, zu beschreiben, was die Duftschönheiten an Sinnlichkeit transportieren.
Jede Rose verbreitet zu einer anderen Tageszeit ihre maximale Duftintensität. Direkt an unserer Terrasse blüht die wunderschöne Madame Anisette. Sie duftet ganz besonders Abends, an sehr warmen Tagen nach Anis, Myrrhe und Lakritz. Im gleichen Beet blüht die Gartenprinzessin Marie-José. Ihre pomponartigen Blütenkugeln betören mit einer fruchtigen Mischung nach Himbeere und Rhabarber, vor allem am Morgen. Aus einer anderen Ecke des Gartens weht vor allem am Mittag ein Hauch von Zitrone, Holunder und frischem Apfel durch die Luft.

Nach einem Sommerregen – Madame Anisette

Dieses Jahr ist ein herrliches Rosenjahr. Der erste Flor ist leider bereits verblüht. Nun heißt es ein wenig warten, bis die zweite Blüte kommt, die den Garten wieder mit Poesie erfüllt und die Sinne berührt, – das Auge, die Nase und auch das Herz.


Vielleicht können die zarten Blüten auch euer Herz erobern, oder ….sie haben es bereits geschafft.

Alles Liebe
eure Christiane

David Austin

2 Comments

  • Reply
    Regine
    Juli 20, 2020 at 17:09

    Natürlich habe ich dich vermisst! Aber Zeit zum Luft holen muss sein, das kenne ich zu gut.
    Und vielen Dank für die schönen Rosen und deinen persönlichen Hintergrund- ich mag deine Texte sehr!

    Bis bald,
    Regine

    • Reply
      Christiane Pesendorfer
      Juli 28, 2020 at 14:33

      Ich danke dir! Und ja, vermutlich geht es vielen (hin und wieder) so und es ist gut, wenn man sich dies dann zugesteht.

      Liebe Grüße
      Christiane

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